Verkehrskollaps in Italien

10. November 2008, 18:38
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Italien hat einen schwarzen Montag im öffentlichen Verkehr erlebt. Die Bahn war wegen eines 24-stündigen Streiks lahmgelegt. Dazu kam ein Arbeitsausstand im öffentlichen Nahverkehr

Italien hat einen schwarzen Montag im öffentlichen Verkehr erlebt. Die Bahn war wegen eines 24-stündigen Streiks lahmgelegt. Dazu kam ein Arbeitsausstand im öffentlichen Nahverkehr. Alitalia war auch betroffen.

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Mailand - Ein 24-stündiger Streik bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben, bei der Bahn, bei den U-Bahnen und Stadtbussen, hat zu Wochenbeginn das Verkehrssystem in Italien lahmgelegt. Die Gewerkschaften melden eine Rekord-Streik-Beteiligung von 84 Prozent. Grund für die Protestkundgebungen sind die anstehenden Tarifverhandlungen.

Der Transportstreik zu Wochenbeginn ist Ausdruck der wachsenden Unzufriedenheit im Lande. Nicht nur die Schüler, Studenten und Professoren gehen seit Wochen auf die Barrikaden. In Mailand und Rom vergeht kein Tag, wo im Stadtzentrum nicht lautstarke Protestzüge gegen die Bildungsreform stattfinden. Nicht nur bei den Volksschulen, auch bei Mittelschulen und den Universitäten sollen mehrere Milliarden Euro durch Personalkürzungen und weniger Forschungs- und Entwicklungsausgaben eingespart werden.

Studentenunruhen

Regierungschef Silvio Berlusconi warf der Opposition vor, Lügen über die geplante Reform zu verbreiten und die Studenten zum Protest zu stimulieren. Die Regierung weigert sich, die Reform abzuschwächen. Vorerst ist keine Beruhigung der Studentenunruhen in Sicht. Im Gegenteil: Die Proteste eskalieren.

Die linksgerichtete Gewerkschaftsgruppe CGIL hat für 25. November zum Generalstreik aufgerufen, um gegen die neuen Tarifverhandlungen mit vorgesehenen "Einheitsbestimmungen" zu protestieren. Auf Kriegsfuß befinden sich neuerdings auch die Alitalia-Piloten. Sie wollen den von der Alitalia-Nachfolgegesellschaft CAI vorgelegten Mitarbeitervertrag nicht unterschreiben, da dieser nicht den von der CAI-Führung vor wenigen Monaten gemachten Versprechungen gerecht werde.

Die Alitalia-Piloten und Flugbegleiter kündigten 14 Streiktage bis Mai 2009 an. Am 25. November wollen sie ebenfalls die Arbeit niederlegen. Einen Vorgeschmack auf die künftigen Protestaktionen der Piloten haben die wenigen Alitalia-Passagiere bereits zu Wochenbeginn erfahren. Zahlreiche Alitalia-Beschäftigte blockierten am Montag den Eingang der Piloten und Flugbegleiter, sodass es zu massiven Verzögerungen und auch Streichungen von Flügen ab Rom kam.

Die wachsenden Lebenshaltungskosten und die steigende Anzahl der auf Kurzarbeit gesetzten Arbeitnehmer (plus 70 Prozent) schüren die Unzufriedenheit im Lande. Der Beliebtheitsgrad von Regierungschef Silvio Berlusconi sei innerhalb von zwei Wochen von 64 Prozent auf 48 Prozent gesunken, sagte der italienische Meinungsforscher Renato Mannheimer. (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2008)

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