Neue Finanzspritze für AIG

10. November 2008, 17:40
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Interesse am Osteuropa-Geschäft der Versicherung

New York/Washington - Der strauchelnde Versicherungsriese AIG hat allein im dritten Quartal einen gigantischen Verlust von 24,5 Milliarden Dollar (190 Mrd. Euro) angehäuft und wird erneut von der US-Regierung gestützt. Sie gewährt dem einst weltgrößten Versicherungskonzern ein bearbeitetes Rettungsprogramm von insgesamt mehr als 150 Mrd. Dollar. Dieses umfasst auch den Kauf von AIG-Anteilen für rund 40 Mrd. Dollar; die Regierung steigt damit über Vorzugsaktien direkt bei dem Unternehmen ein.
Die 40-Mrd.-Dollar-Spritze kommt aus dem US-Rettungspaket. Damit wird erstmals ein anderes Unternehmen als eine Bank aus dem 700-Mrd.-Paket der Regierung Geld erhalten.

Das Gesamtpaket sieht im einzelnen folgende Maßnahmen vor: Das ursprüngliche 85-Mrd.-Dollar-Darlehen für AIG wird auf 60 Mrd.
reduziert. Die Zentralbank Fed ersetzt zudem ein 37,8 Mrd. Dollar umfassendes Darlehen durch ein 52-Mrd.-Dollar-Hilfspaket. Das ergibt eine Gesamtsumme von 112 Mrd. Dollar, hinzu kommen die 40 Mrd. Dollar aus dem Kauf der Vorzugsaktien. Zugleich wurden die Konditionen für das Darlehen deutlich verbessert.

Die Zwischenbilanz des Konzerns fiel verheerend aus: Der Umsatz sackte von 29,84 Mrd. Dollar im dritten Quartal 2007 um 97 Prozent auf nur noch 898 Mio. Dollar. Der Verlust summierte sich auf 24,47 Mrd. Dollar (18,95 Mrd. Dollar). Pro Aktie fällt damit ein Verlust von 9,05 Dollar an. Im Vorjahresquartal lag der Gesamtgewinn noch bei 3,09 Mrd. Dollar, pro Aktie lag der Gewinn damals bei 1,19 Dollar.

Geplante Verkäufe

Der weltgrößte Rückversicherer, die Münchner Rück, hat bereits Interesse an Teilen des gestrauchelten amerikanischen Versicherungsriesen AIG angemeldet. Der Vorstandsvorsitzende der Münchner Rück, Nikolaus von Bomhard, sagte der Frankfurter Allgemeinen, man sei bei AIG am Osteuropa-Geschäft, an Teilen des Asien-Geschäfts und an einem Spezialversicherer in den Vereinigten Staaten interessiert. Auch die heimischen Versicherungsinstitute Generale und Wiener Städtische haben bereits Interesse an den AIG-Osteuropaaktivitäten angemeldet, der Standard berichtete.

Der Versicherungsriese AIG will sich Kreisen zufolge auch von seinem taiwanesischen Lebensversicherer Nan Shan Life trennen. "Eine der Prioritäten von AIG ist es, sich Kapital zur Schuldentilgung zu beschaffen, und das Unternehmen will dies so schnell wie möglich tun" , sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Das globale Marktumfeld erschwere es aber, einen zufriedenstellenden Preis zu erzielen. (dpa, ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2008)

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