Derby der letzten Chance

10. November 2008, 17:48
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Sollte es heute zwischen der Austria und Rapid Stress geben, werden die berühmtesten Wiener Fußballklubs ihre Vergleiche künftig im großen Happel-Stadion austragen müssen

Favoriten/Hütteldorf - Die Südosttangente bereitet der Polizei gewisse Sorgen. Denn die führt knapp am Horr-Stadion in Wien-Favoriten vorbei, wo am Dienstagabend (20.30, ORF 1) das 287. Wiener Derby zwischen Austria und Rapid stattfindet. Und da sogar die Rapidfans gelegentlich einen gewissen Bewegungsdrang entwickeln, fürchtet die Exekutive, Flaschen und andere Wurfgegenstände könnten auf die A23 fliegen. Der Schutz der Autofahrer ist aber nur ein Nebengrund, warum der polizeiliche "Sicherheitsbereich" bei diesem Spiel recht groß ist. Der Hauptgrund: Die "Teilnahme gewaltbereiter Personen" , die "eine allgemeine Gefahr für die Gesundheit mehrerer Menschen und für Eigentum" darstellt, wie in der Verordnung zu lesen ist.

Denn Austria- und Rapid-Anhänger sind grundsätzlich keine richtigen Freunde. Dass aber beim vergangenen Aufeinandertreffen im Hanappi-Stadion Rapids Tormann Georg Koch durch einen von einem Austrianer geworfenen Böller schwer verletzt worden ist, lässt die Sicherheitsverantwortlichen zittern. Der Täter, ein 17-jähriger Bursche aus Donaustadt, ist übrigens ausgeforscht, Geständnis hat er aber noch keines abgelegt. Wie gefährlich die Situation ist, wollen die für die Betreuung und Beobachtung der Fans zuständigen "szenekundigen Beamten" noch nicht beurteilen. Einerseits gab es in den vergangenen Tagen Aufrufe der Rapid-Anhänger, Vergeltung zu üben. Andererseits sind diese seit dem Wochenende deutlich abgeflaut. Und Rachegefühle hätten schon in den vergangenen beiden Monaten außerhalb der Stadien befriedigt werden können - da war die Lage aber recht ruhig.

Für Dienstagabend baut die Polizei darauf, die Fans schon bei der Anreise zu trennen. Die Gäste sollen am Verteilerkreis Favoriten, bisher ein Brennpunkt, möglichst vorbeigeleitet werden. Die grünweiße Schar wird vom Reumannplatz über die Laaerbergstraße zur Westtribüne geführt. An die Südosttangente hat man auch gedacht, sagt der Einsatzleiter Michael Lepuschitz: "Ein zwei Meter hoher Bauzaun und mobile Kameras sollen Zwischenfälle verhindern."
660 Sicherheitskräfte (Polizei und privater Sicherheitsdienst) werden aufgeboten, das ist ein Rekord in Austrias Vereinsgeschichte. Klubvorstand Markus Kraetschmer: "Wir haben alle Vorkehrungen getroffen." Das Stadion ist ausverkauft (12.000 Zuschauer), im Vorfeld wurde mit den Fangruppen diskutiert und Vernunft eingefordert. Kraetschmer: "Wir orten einen Selbstreinigungsprozess." Bei der Austria gab es zuletzt mehr Wickel als bei Rapid, 14 österreichweite Stadionverbote wurden ausgesprochen, dazu gesellten sich 23 Hausverbote. Dass vor der neuen Osttribüne kein Netz gespannt ist, betrachtet Kraetschmer nicht unbedingt als Nachlässigkeit. "Böller fliegen auch durch Netze."

Über diesem Derby schwebt quasi das Damoklesschwert. Kraetschmer: "Wir stehen unter Beobachtung der Bundesliga und der Exekutive." Andreas Marek, für die Fan-Betreuung bei Rapid zuständig, drückt es so aus: "Sollte es Stress geben und Grenzen überschritten werden, ist es vorbei mit dem Heimvorteil. Dann werden Derbys künftig ausschließlich im Happel-Stadion ausgetragen. Notfalls unter Ausschluss der Gästefans. Das sollte jedem klar sein." (Christian Hackl, Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 11. November)

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    Austrianer und Rapidler stehen vor einer Bewährungsprobe. Violette wie Grüne sollten brav sein. Sonst werden Horr- und Hanappi-Stadion gestrichen.

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