"Schmackhafte" Homosexualität? Dagegen!

11. November 2008, 00:01
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Der Wiener FP-Klubobmann Schock will nicht, dass die Homosexuellen die "traditionelle" Familie in Österreich zerstören - für seine Ausführungen gibt's eine Zitrone

In Kalifornien scheint die Schlacht geschlagen: Die Wahlberechtigten haben sich bei der letztwöchigen Neuauflage der alten Debatten-Schleife zur gleichgeschlechtlichen Ehe vorerst - wieder - gegen diese entschieden. Erst im Mai diesen Jahres war es - nach Massachusetts als erstem US-Bundesstaat - im sonnigen Westen der Vereinigten Staaten erstmals Lesben und Schwulen erlaubt worden, standesamtlich zu heiraten. Ansässige Homosexuellen-Organisationen wollen den Entscheid, der es nun ermöglicht, die Ehe zwischen Mann und Frau als einzige gute und richtige Partnerschaftsform in die Verfassung einzuschreiben, gerichtlich anfechten.

Wahrer Hüter des Familienbildes

Im kleinen Österreich sind wir nicht einmal so weit. Es kann nichts verboten werden, was sowieso nicht erlaubt ist. Aber besser vorbauen statt das Nachsehen haben, lautet das Motto des Klubobmannes der Wiener FPÖ Eduard Schock. Ist es nicht immer die richtige Zeit, gegen die "Ungleichen" verbalinjuriös zu Felde zu ziehen, ebenso wie die "Rathaussozialisten" der Bevölkerung "pausenlos Homosexualität schmackhaft machen"? Eben. Also hat Schock diesmal die Kurz-Ausstellung über Homosexuelle und Familie im Wiener Rathaus, "Different families - same love", zum Anlass genommen, um Polit-Dampf abzulassen und klar zu stellen, wer der "letzte und vor allem wahre Hüter des traditionellen Familienbildes" im Lande ist.

Birkenstock-Fundus als 1a-Bedrohungsszenario

Ein Verbot der Homosexuellen-Ehe sei keine Diskriminierung, "da nur Gleiches mit Gleichem und Ungleiches mit Ungleichem verglichen werden kann. Mit der Ehe wird ja nicht die Liebe an sich, sondern der Schutz der Kinder und die Aussicht auf Nachkommen gefördert." Außerdem zeige sich "an der linken Politik der Rathaussozialisten, dass man offensichtlich auf die Zerstörung der Familie als gewachsener Struktur aus ist." Man solle sich "lieber wieder mit wichtigeren Dingen - nämlich dem Schutz unserer Kinder und der Förderung der Familien - auseinandersetzen".

"Zerstörung der Familie" klingt verdammt danach, als wollten die Homosexuellen im Auftrag der Roten den "traditionellen" Familien ihre Kinder entreißen und wahlweise zwischen House-Mucke und Birkenstock-Fundus mit ihrer Homosexualität total homosexuell machen. Ein Bedrohungsszenario erster Güte. Da kann man schon Angst kriegen, keine Frage. Und Verteidigungsmauern hochziehen, damit man als Teil der Gleichen nicht ganz entrechtet wird. Es schmerzt beinahe, dass in einem rechts ausgerichteten Kontext die Berechtigung der einen immer mit einer Entrechtung der anderen einhergehen muss. Bei der Ökonomie des Geldes mag sich das realitär so gestalten - aber nicht bei Liebe: Die wird für eine/n nicht weniger, nicht schlechter, nicht schal, nur weil die/der Nächste auch liebt. Und die Liebe auf eine andere Ebene bringen will: Samt Kindern.

Ungleich lassen? Dagegen!

Dass die Bestrebungen, homosexuelle Partnerschaften bei Rechten und Pflichten einer Frau-Mann-Ehe gleichzustellen (Schock bedient sich des Terminus "Fremdkindadoption") dem schlagwortgewandeten FP-Auftrag zur Förderung der Familien nicht abträglich sind, sondern ihn erfüllen wollen, ignoriert die FPÖ gekonnt. Es kommt besser an, beim echten Wiener, es Homosexuellen weiterhin zu verunmöglichen, sich als Teil der Gesellschaft auch in diesem Bereich einzubringen, sie ungleich zu lassen. Als könnten sie, weil sie nicht heterosexuell sind, per se keine Kinder großziehen. Als ob alle, die Kinder in die Welt setzen, sorgfältig und gewissenhaft, liebevoll und freudig mit ihrem Nachwuchs umgehen können, weil sie heterosexuell sind. Dass Schock mit Angstmache und Vorurteilen gegenüber Lesben/Schwulen arbeitet und Homosexualität als nicht mit Familie zu vereinbarendem Lifestyle skizziert, nur um seine Partei gegenüber der SPÖ und den Grünen ins rechte Licht zu rücken, bedingt an dieser Stelle Saures.  (bto/dieStandard.at/11.11.2008)

 

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    Foto: REUTERS/Herwig Prammer/Montage: Redaktion

    Mutter, Vater, Kind: So war es immer, so soll es immer bleiben, meint Eduard Schock, der versucht, das Bild der FPÖ als "wahren Hüter des traditionellen Familienbildes" im Kopf des kleinen Mannes zu zementieren - auf Kosten der Lesben und Schwulen. Bitter.

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