Frankreich: Anschläge auf TGV-Züge

10. November 2008, 15:43
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Die Anschlagserie gegen Frankreichs Bahn reißt nicht ab - Hochgeschwindigkeitszug raste in Betonplatten - Niemand verletzt

Montpellier/Paris - In Frankreich reißt die mysteriöse Anschlagsserie gegen die Staatsbahn SNCF nicht ab: Ein TGV-Hochgeschwindigkeitszug raste in der Nacht zum Montag im Süden Frankreichs in zwei Betonplatten, die Unbekannte auf die Schienen gelegt hatten, wie die SNCF mitteilte. Der aus Brüssel kommende TGV entgleiste nicht, von den etwa hundert Passagieren wurde niemand verletzt. Am Samstag waren an teils weit auseinanderliegenden Orten Eisenhaken in Oberleitungen entdeckt worden, was zu einem Verkehrschaos geführt hatte. Die Untersuchung der Anschlagsserie übernahmen nun Anti-Terror-Ermittler.

Der jüngste Vorfall ereignete sich in der Nacht zwischen Béziers und Narbonne. "Der TGV-Lokführer hat einen Aufprall gespürt und den Zug angehalten", sagte ein Bahn-Sprecher. Der TGV nach Perpignan sei nur geringfügig an der Spitze beschädigt worden und habe nach 70 Minuten weiterfahren können. Verkehrsminister Dominique Bussereau sprach von einem "böswilligen Akt".

Erinnert an Anschlagserie von 2004

Über die Urheber der Vorfälle wird seit Tagen in den französischen Medien spekuliert, auch wenn noch unklar ist, ob es sich um abgestimmte Aktionen handelt. Der Fall weckt Erinnerungen an eine nie aufgeklärte Serie von 2004. Damals hatte eine Gruppe namens AZF Sprengsätze an Bahnschienen deponiert, die Orte vor der Explosion aber den Behörden bekanntgegeben.

Neben Terrorakten, für die es bisher aber kein Bekennerschreiben gibt, wurden aber auch Protestaktionen von Bahnmitarbeitern nicht ausgeschlossen. Dafür würde sprechen, dass die Täter das Bahnnetz und die Technik offenbar gut kennen und wissen, wann die Leitungen nachts zur Wartung nicht unter Strom stehen, um etwa die Eisenhaken anzubringen.

Überwachung des Schienennetzes

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Eisenbahner sein Arbeitsinstrument zerstört", sagte SNCF-Generalsekretär Stéphane Volant der Zeitung "Le Parisien" zu dieser Vermutung. Die Gewerkschaft Force Ouvrière forderte, die Polizei müsse die Eisenbahnmitarbeiter bei der Überwachung des Schienennetzes unterstützen. 2000 dafür zuständige Beschäftigte könnten nicht ständig 34.000 Kilometer Strecke kontrollieren.

Am Samstag hatte der Fund von vier Eisenhaken an Strecken im Norden, Osten und Südosten des Landes bei 160 TGV-Zügen teils mehrstündige Verspätungen verursacht. Die Haken waren am frühen Morgen durch Wartungstechniker entdeckt worden, welche die Strecken mit Spezialwagen abfahren. Am vorangegangenen Wochenende war eine Stromleitung auf der TGV-Atlantikstrecke offenbar durch Gewehrschüsse beschädigt worden, wodurch es bei 50 Zügen zu Verspätungen kam. (APA/AFP)

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