Tiflis fordert unabhängige Untersuchung des jüngsten Krieges

18. November 2008, 15:23
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UNO-Botschafter: Um Schuldfrage zu klären - Tiflis will alle Fakten offenlegen - Gazprom beschuldigt Georgien Gaslieferungen an Südossetien zu verhindern

New York - Georgien verlangt eine unabhängige internationale Untersuchung der Umstände seines Krieges mit Russland im vergangenen Sommer. Dabei solle klargestellt werden, welches Land der Verursacher der heftigen Kämpfe gewesen sei, erklärte der georgische UNO-Botschafter Irakli Alassania am Montag vor Journalisten am Sitz der Vereinten Nationen in New York. Georgien sei bereit, mit einem Untersuchungsteam eng zusammenzuarbeiten und alle Fakten offenzulegen.

Georgien und Russland beschuldigen einander der Aggression bei den fünftägigen Gefechten im August. Georgien intervenierte damals in seiner seit Anfang der 1990er Jahren abtrünnigen Region Südossetien, woraufhin Russland seine dortige Truppenpräsenz verstärkte und bald auch in georgisches Kernland vorrückte. Umstritten sind allerdings die näheren Umstände, die zur Eskalation führten. Russland hat Südossetien sowie die andere abtrünnige georgische Region Abchasien inzwischen als eigenständige Staaten anerkannt.

Russischer Gasriese glaubt Tiflis nicht, dass Pipeline beschädigt wurde

Der russische Gasriese Gazprom hat Georgien vorgeworfen, Gaslieferungen in die abtrünnige Provinz Südossetien zu verhindern. Gazprom-Sprecher Sergej Kuprianow sagte am Montag im Rundfunksender "Echo von Moskau", dass Tiflis den Stopp der Gaslieferungen auf Schäden an einer Pipeline durch den Kaukasus-Krieg im August zurückführe. Er wisse aber nicht, ob die Pipeline aus dem georgischen Gori in die südossetische Hauptstadt Zchinwali tatsächlich beschädigt worden sei. Es gebe auch keine Möglichkeit, dies zu überprüfen. Für Gaslieferungen noch in diesem Winter sei Gazprom daher auf mangelndes georgisches "Wohlwollen" angewiesen.

Kuprianow kündigte an, Südossetien im kommenden Jahr direkt aus Russland mit Gas zu beliefern. Es sei bereits eine Pipeline im Bau. Sie könne aber nicht vor Mitte kommenden Jahres fertiggestellt werden. Der Streit zwischen Russland und Georgien um die abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien hatte im August zu einem kurzen Krieg geführt. Inzwischen hat Russland beide Regionen als unabhängige Staaten anerkannt. (APA/AP)

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