Stepic: CEE wird Krise meistern

10. November 2008, 14:36
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RI-Chef Herbert Stepic ist auch 2009 und 2010 von Wachstum überzeugt, Kreditknappheit wäre derzeit die größte Bedrohung

Wien - Auch die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas werden die aktuelle Finanzkrise deutlich zu spüren bekommen - das Wirtschaftswachstum wird sich verlangsamen, die Exporte und die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) werden zurückgehen. "Aber CEE kann und wird die Krise meistern", zeigt sich Raiffeisen-International-Chef Herbert Stepic überzeugt. "Wir werden auch 2009 und 2010 ein Wachstum sehen", sagte Stepic zur Eröffnung des 5. "Vienna Economic Forum" am Montag in Wien.

Vor einem Jahr habe man noch angenommen, dass die Finanzkrise Europa zwar berühren, sich aber im Wesentlichen auf die USA beschränken werde, sagte Stepic. Mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehmann Brothers - dabei gehe es um ein Kapitalvolumen, das das BIP vieler Länder übersteige - habe sich die Ausbreitung der Krise jedoch dramatisch beschleunigt. "Sie hat die Realwirtschaft erreicht und ist dabei, sie ernsthaft zu infizieren."

Neu an der aktuellen Krise sei, dass zum ersten Mal eine Wirtschaftskrise von einem entwickelten Land ausgehe. Dennoch würden in der Presse vor allem die CEE-Länder kritisiert - diese Länder würden am meisten von der Krise betroffen sein, so der Tenor. Dabei handle es sich jedoch um eine "Haltet-den-Dieb-Philosophie, die davon ablenken soll, woher die Krise wirklich kam", sagte Stepic.

Weiter Wachstum

Nach Ansicht der "sehr konservativen" Einschätzung der RZB-Volkswirte werde Mittel- und Osteuropa seinen Wachstumsvorsprung auch im kommenden Jahr halten können. Während man für die Eurozone ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im Ausmaß von 0,1 Prozent erwarte, gehe man für Zentral- und Südosteuropa sowie für die GUS von einem durchschnittlichen Wachstum von 3,3 Prozent aus, sagte der RI-Chef.

"CEE kann und wird diese Krise meistern, aber es gibt ein gewissen Risiko, weil die Entscheidungsträger in den CEE-Ländern noch nie eine solche Krise bewältigen mussten und daher nicht über die entsprechende Erfahrung verfügen. "Die Entscheidungsträger haben die Dimension dieses Tsunami noch nicht erkannt", zeigte sich Stepic besorgt. Die Politiker würden zu unrecht davon ausgehen, dass die westlichen Banken die bevorstehenden Aufgaben alleine schultern können. Notwendig sei jetzt aber eine "rasche und konzertierte Aktion der lokalen Regierung und Zentralbanken. Sie müssen ähnliche Pakete schnüren wie die westlichen Länder in den vergangenen Wochen."

Eine Kreditknappheit wäre jetzt die größte Bedrohung, sagte Stepic. "Es ist leichter, eine Maschine am Laufen zu halten, als sie zu stoppen und dann wieder in Gang zu bringen." (APA)

 

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    "CEE kann und wird die Krise meistern", zeigt sich Raiffeisen-International-Chef Herbert Stepic überzeugt

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