Jeder dritte Schüler leidet unter Lärmbelastung

10. November 2008, 14:35
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Unterrichts-Ratgeber für Lehrer erschienen - Zuhörtraining, Lärmampeln und akustische Sanierung von Schulen empfohlen

Graz - Wer etwas lernen will, muss zuhören können. Wie aber eine Schülerbefragung der Arge Zuhören gezeigt hat, gibt es in den Klassenzimmern in der Steiermark - aber wohl nicht nur dort - ein gravierendes Lärmproblem: Jeder Dritte der 1.100 befragten Schüler gab an, dass es ihm oft schwer falle, dem Unterricht zu folgen. Ratschläge, um die Lärmbelastung in der Schule zu reduzieren und Details zur Studie enthält die Publikation "Lärm in der Schule".

Höherer Lärmpegel

In den Klassenzimmern ist es in den vergangenen Jahren lauter geworden: Dieser Meinung sind laut der jüngsten Umfrage der "Arge Zuhören" vom Vorjahr auch mehr als zwei Drittel der rund 1.450 befragten Pflichtschullehrer in Salzburg, Niederösterreich und der Steiermark. Ein hoher Lärmpegel hat negative Auswirkungen auf Kinder: Sie arbeiten langsamer und behalten Gelerntes schlechter, kämpfen mit Motivationsproblemen und werden häufiger aggressiv, so der Abteilungsleiter für Schulpsychologie-Bildungsberatung im Landesschulrat für Steiermark, Josef Zollneritsch. Er hat gemeinsam mit Unternehmensberater Erich Hotter, das Arbeitsbuch verfasst.

Lärmampeln zur Sensibilisierung

An den Pädagogen geht der Krawall in Unterricht und Pausen nicht spurlos vorbei: Jeder fünfte Lehrer zählt nach Klassifizierung der Autoren zur Risikogruppe der "hoch Belasteten" und leidet gesundheitlich besonders stark unter der Situation. Tendenziell fallen eher männliche Pädagogen an städtischen Hauptschulen in diese Gruppe. Hotter und Zollneritsch warnen: "Dreht sich die Lärmspirale in den Schulen ungehindert weiter, so ist zu befürchten, dass die Gruppe der hoch Belasteten weiter anwachsen wird." Um diesem Szenario entgegenzuwirken, bündeln die Autoren in ihrem Werk ihre Verbesserungsvorschläge.

Die ARGE Zuhören führt u.a. Schülern und Lehrern die Lärmsituation, in der sie sich befinden, mittels 'Lärmampeln' vor Augen. An 150 steirischen Schulen kamen die Geräte, die zeigen, wie schnell die Geräuschpegel in den Klassenzimmern ansteigen können, bereits zum Einsatz. "Alleine diese Sensibilisierung führt schon dazu, dass es ruhiger in den Klassen wurde", schildert Zollneritsch.

Zuhörfähigkeit üben

Lärmprävention sei beispielsweise auch durch wöchentlich stattfindenden Hörclubs, in dem Kinder angeleitet werden, ihre Zuhörfähigkeit zu üben - möglich. Aber auch die akustische Sanierung bestehender Räume und Schaffung zusätzlicher Ruhe- und Entspannungsorte kann zur Verminderung der Lärmbelastung beitragen, wird in der Publikation ausgeführt. (APA)

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    Sogenannte Lärmampeln zeigen, wie hoch der Geräuschepegel in Schulklassen ist.

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