Diskothek verlost Brust-OP: Industrie fürchtet "Schmuddel-Image"

10. November 2008, 11:12
5 Postings

ÄrztInnen-Vereinigung protestiert gegen Werbemaßnahme, die "Konsequenzen und Risiken der Operation herunterspielt"

München - Reichlich Empörung unter deutschen ChirurgInnen erntet der Marketing-Gag einer niedersächsischen Diskothek. Unter dem Motto "Kämpfe um deinen Traum" wird unter den Besucherinnen eine Brustoperation verlost, wobei die Gewinnerin in einem Wettkampf der Kandidatinnen ermittelt wird. Christian Gabka, Präsident der "Vereinigung der deutschen ästhetisch-plastischen Chirurgen", spricht von einem "reißerischen, nicht menschenwürdigen Vorgehen". Leidtragende der Aktion, die Konsequenzen und Risiken der Operation herunterspiele, seien sowohl die Gewinnerin des Bewerbs wie auch die ästhetische Chirurgie, die damit in ein schiefes Licht gerückt werde.

OP in Polen, Fotoshooting für Disco-Flyer

Streitpunkt ist vor allem die Form der Gewinnermittlung. Bei einem Event in der Diskothek werden zehn Kandidatinnen per Losentscheid ermittelt. Sie müssen laut Angaben gegeneinander tauziehen und den Körper eines Gastes aus dem Publikum bemalen, während sie Karaoke singen. Aufgabe der Finalistinnen ist es schließlich, nur im Bikini bekleidet und mit verbundenen Augen Luftballonbrüste zu zerbeißen. Die Siegerin wird sechs Tage später für den Eingriff in Polen erwartet und verpflichtet sich zu einem Foto-Shooting für einen Flyer der Diskothek, lässt sich den Teilnahmebedingungen entnehmen.

Furcht vor "Schmuddel-Image"

"Der Bewerb vermittelt ein Schmuddel-Image, das dem Niveau eines seriösen medizinischen Eingriffs niemals gerecht wird", urteilt Gabka. Das extrem kurze Zeitfenster gewähre der Patientin keine ausreichende Bedenkzeit, die erst zu einer juristisch gültigen Einverständniserklärung führe. Zudem vermisst der ästhetische Chirurg jegliche spezielle fachliche Beratung der Kandidatinnen im Vorhinein, die über Risiken des Eingriffs aufzuklären habe. So seien schicksalhafte Komplikationen wie eine Verhärtung der Brust um das Implantat oder Wundheilungsstörungen immer möglich. Deren Behandlung hätte die Patientin zumindest teilweise selbst zu finanzieren. Insgesamt übe der Diskobetreiber durch den Abbau der Hemmschwellen großen Druck auf die Kandidatinnen aus. "Doch Plastische Chirurgie ist planbar und muss daher frei von äußeren Zwängen sein", betont Gabka.

"Die Anzahl jährlicher Brustoperationen ist bei europäischen jungen Frauen im Steigen, auch wenn sie kaum mit den Dimensionen in den USA vergleichbar ist", so der Chirurg. Obwohl das mit der Operation verbundene Risiko gering sei, stelle der Eingriff eine Maßnahme dar, die das Leben der Betroffenen verändere. Er dürfe daher nicht durch Aktionen wie im aktuellen Fall verharmlost werden. (pte)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Chance auf eine kostenlose Brust-OP: Für Mädchen, die nur im Bikini bekleidet und mit verbundenen Augen Luftballonbrüste zerbeißen.

Share if you care.