Schwellenländer für Reformen

9. November 2008, 22:11
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Die wichtigsten Schwellenländer haben eine Umgestaltung des weltweiten Finanzsystems gefordert

São Paulo - Die wichtigsten Schwellenländer haben eine Umgestaltung des weltweiten Finanzsystems gefordert. Angesichts der globalen Bankenkrise sei eine "neue Finanzarchitektur" nötig, sagte der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva während eines Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) am Wochenende in São Paulo. Das blinde Vertrauen in die Selbstregulierung der Märkte sei "wie ein Kartenhaus zusammengefallen".

Vorbereitung für den Weltfinanzgipfel

Die Gespräche dienten in erster Linie der Vorbereitung des Washingtoner Weltfinanzgipfels am kommenden Samstag. Die EU-Staaten hatten sich bereits am Freitag auf Leitlinien für das Gipfeltreffen geeinigt. Gefordert werden Kontrollmechanismen für die internationalen Ratingagenturen, striktere Buchhaltungsregeln für Banken und Versicherungen sowie bessere Koordination zwischen den Institutionen an, die das internationale Finanzsystem überwachen. Eine US-Regierungssprecherin sagte in Washington, viele Anliegen der USA fänden sich in der EU-Erklärung wieder.

Der Chef der Welthandelsorganisation (WTO), der Franzose Pascal Lamy, forderte eine weltweit einheitlichen Regulierung der Finanzmärkte. Bisher zwinge "kein Engagement die Staaten untereinander zur Disziplin, also zur Verminderung der nationalen Handlungsspielräume". Zwei Typen von Gremien kämen infrage: "Entweder der Internationale Währungsfonds und die Finanzminister oder die Zentralbanken, die Aufseher und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich."

Maßvolle Eingriffe

Auch mehrere Wirtschaftsnobelpreisträger sprachen sich für stärkere, aber immer noch maßvolle Eingriffe der Staaten in das Finanzsystem aus. Der Spiegel hatte Joseph E. Stiglitz, Paul A. Samuelson, Edmund S. Phelps, Robert E. Lucas und Reinhard Selten gebeten, eine Handlungsanleitung für Auswege aus der Krise zu formulieren. (AFP, dpa, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10.11.2008)

 

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