Gegen Papa und alle anderen

9. November 2008, 21:58
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Wem vertrauen? Kommissarin Nora Jaspers hat es im ZDF-Fernsehfilm der Woche (Montag, 20.15) echt nicht leicht

Wem vertrauen, wenn die eigenen Polizeikollegen unter massivem Politeinfluss zu stehen scheinen? Wenn der eigene Vater sich als Rechtspolitiker von der Russenmafia finanzieren lässt und unter Mordverdacht steht? Wenn der Aufdeckungsjournalist, der um Hilfe bittet, selbst im Sumpf organisierter Prostitution zu waten scheint?

Kommissarin Nora Jaspers hat es im ZDF-Fernsehfilm der Woche (Montag, 20.15) echt nicht leicht. Am Anfang steht die Leiche einer ukrainischen Prostituierten, die an der Küste angespült wird. Ein Zettel mit einer Handynummer, der in ihrer Kehle steckt, führt zum Journalisten Kress (etwas aufgesetzt: Ulrich Tukur). Mit ihm taucht Jaspers in die Verstrickungen zwischen Politik und Verbrechen in der Berliner High Society ein. Dass sich dabei ständig das Gesamtbild ändert, mutmaßliche Verbündete zu Feinden werden und umgekehrt, bereichert den Krimi. Nette Details wie ein schnöselig-arroganter Pathologe, der Schubert hört, fetten die Stimmung ebenso auf.

Dass Kress aber gleich vor dem roten Punkt eines Scharfschützen gerettet werden muss, und dass der Politikervater den Fall zum Papa-Tochter-Problem privatisiert, lassen den Film nicht sehr weit über alltägliche Krimiberieselung hinauswachsen. Auch Anja Kling, die Jaspers ihren eindringlichen, Nahaufnahme-kompatiblen Blick leiht, bringt zu wenig Charisma auf, um der passiv angelegten Figur Tiefe zu verleihen. (pum/DER STANDARD; Printausgabe, 10.11.2008)

  • Nora Jaspers ermittelt.
    foto: zdf

    Nora Jaspers ermittelt.

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