Ländlichem Raum droht die Vergreisung

9. November 2008, 19:41
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Junge, gut gebildete Menschen ziehen weg, und die Infrastruktur kann mit städtischem Niveau nicht mithalten - mit Kommentar

Wels - Es ist nicht so, dass nur die strukturelle Benachteiligung den ländlichen Raum gegenüber den städtischen Zentren ins Hintertreffen geraten lässt. In manchen Fällen sind es gerade die Förderungen und neuen Chancen, die dazu führen, dass die peripheren Regionen veröden und mehr und mehr zum Lebensraum einer vergreisenden, schrumpfenden und tendenziell immer schlechter versorgten Bevölkerung werden: "Wenn der Sohn und die Tochter von unserem Bäcker studieren, dann werden sie den Laden nicht übernehmen, der kann zusperren" , erzählte am eine Teilnehmerin an der Konferenz "Land ohne Leute?" , in der sich das Ökosoziale Forum am Wochenende mit den Folgen des sozio-demografischen Wandels befasste.

Die Raumplanerin Gerlind Weber von der Boku gab der Diskutantin Recht, setzte dem aber eine Vision entgegen: "In solche Gewerbe könnten Migranten hineinwachsen - wie sie es in Wien am Naschmarkt schon getan haben." Aber prinzipiell teilt Weber die Sorge: "Es wird in den Planungen überhaupt nicht mitgedacht, dass wir eine alternde Gesellschaft werden und eine altersgerechte Lebensraumplanung brauchen."

Der Sozialforscher Ernst Gehmacher (82) stößt in dasselbe Horn: "Die Bildungsexpansion im ländlichen Raum geht vor allem über die Berufsschule und die AHS - Akademiker bleiben nicht im Dorf." Allerdings könne man viel tun, um das Sozialkapital (Stichwort: ehrenamtliche und kulturelle Tätigkeiten) zu stärken und den Lebensraum auch für jüngere attraktiv zu erhalten. Migranten - ob aus dem Ausland oder aus peripheren Gemeinden - wird es aber auch in Zukunft eher in die Städte ziehen. Konsequenz für Cornelia Krajasits vom ÖIR: "Man muss sich mit dem Begriff ‚Management der Schrumpfung‘ vertraut machen, man kann nicht jeden Kindergarten ‚retten‘." (cs/DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2008)

 

Kommentar: Abwanderung als Chance
Die ländlichen Regionen altern noch schneller als die städtischen - Von Conrad Seidl

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