"Man fragt sich, ob man es hinüberschafft"

9. November 2008, 19:36
1 Posting

Jillian Terceira will den Hallenweltrekord im Pferde-Hochsprung brechen. Die Reiterin meint, dass die Mächtigkeit den Pferden Spaß macht - ein STANDARD-Interview

Standard: Wie hoch können Sie eigentlich ohne Pferd springen?

Terceira: In normalen Runden? Da mach ich 1,40 bis 1,60 Meter Höhe. Das Mächtigkeitsspringen ist eine spezielle Klasse, etwas zum Spaß. Und ich glaube, den Leuten hat es Spaß gemacht. Mir macht es Spaß.

Standard: Wir meinten ohne Pferd. Springen Sie auch sonst gern?

Terceira: Oh nein! Absolut nicht.

Standard: Sie sind hier 2,20 Meter gesprungen. Was wollen Sie mit Ihrem Pferd Chaka noch erreichen?

Terceira: Jetzt, wo ich weiß, dass er es wirklich genießt, strebe ich vielleicht den Hallen-Weltrekord an, der bei 2,38 liegt.

Standard: Höhenangst haben Sie aber keine, oder?

Terceira: Ich muss zugeben, hier in Wien sah der Sprung etwas höher aus. Die Seitenpfeiler waren etwas niedriger als in Salzburg. Das verändert die Wahrnehmung. Es hat wirklich sehr hoch ausgesehen. Mein Pferd hat wahrscheinlich dasselbe gedacht, er hat da beim letzten Sprung etwas gestockt.

Standard: Haben Sie überhaupt vor etwas Angst?

Terceira: Nicht wirklich. Springen ist generell ein sehr riskanter Sport. Man denkt nicht an den schlimmstmöglichen Fall, sondern an den besten. Man macht es aus Spaß und genießt es.

Standard: Was ist das für ein Gefühl, mit geschätzten 20 bis 30 km/h auf dem Rücken eines Pferdes auf eine Mauer zuzurasen?

Terceira: Es ist berauschend. Man sieht nur diese massive Wand und fragt sich, ob man es hinüberschafft. Aber mein Pferd trägt mich von sich aus zum Sprung, ich muss ihn nicht dorthin treiben. Und dann, na ja, es macht seinen Job.

Standard: Wie trainiert man das eigentlich? Überspringen Sie zu Hause regelmäßig 2,20 Meter?

Terceira: Man trainiert natürlich schon Sprünge über eine Mauer. Aber da springt man normale Höhen. Und am Tag des Wettkampfs kann man nur hoffen.

Standard: Es gibt regelmäßig Diskussionen darüber, wie schädlich Mächtigkeitsspringen für die Pferde sind. Wie sehen Sie das?

Terceira: Es gibt, was die Belastung betrifft, keinen Unterschied zwischen einem hohen Sprung und zehn bis zwölf Sprüngen, die 1,60 Meter hoch sind. Der Druck auf die Beine des Pferdes bei der Landung ist bei jeder Höhe derselbe. Dann müsste man sagen, der ganze Springsport ist schädlich. Aber die Pferde lieben es.

Standard: Sie starten für die Bermudas, die nicht unbedingt als Pferdenation gelten. Spielt Pferdesport dort überhaupt eine Rolle?

Terceira: Eine sehr kleine. Deshalb bin ich auch seit fast zehn Jahren hier in Europa, weil ich es wirklich an die internationale Spitze schaffen will. Mein Großvater hatte Rennpferde. Das ist einfach eine Leidenschaft, die einen nicht mehr loslässt. Mir geht das seit meiner Kindheit mit den Ponys so. Ich wollte immer springen. Und jetzt sind wir hier und springen 2,20.

Standard: Was sagen eigentlich Ihre männlichen Kollegen dazu?

Terceira: Die sind sehr beeindruckt. Sie sagen, dass ich sehr mutig bin. Und dass sie es nicht tun würden - zumindest einige. (Julia Raabe, Bettina Stimeder, DER STANDARD, Printausgabe, 10. November 2008)

ZUR PERSON:

Jillian Terceira (37) trainiert in den Niederlanden. Anfang Oktober gewann sie auf Chaka III die Mächtigkeit in Salzburg. Beim Fest der Pferde teilte sie sich mit ebenfalls 2,20 m den Sieg mit dem Briten Robert Whitaker.

 

Share if you care.