Zum Reiten braucht es immer zwei

9. November 2008, 19:20
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Der Wiener Grand Prix der Springreiter wurde fast immer von berühmten Rössern gewonnen. Auch die 23. Auflage am Montag hat in The Sixth Sense einen höchst namhaften Favoriten - Entscheidend ist aber das Paar

Wien - Alvaro Alfonso de Miranda Neto ist bei Gott kein schlechter Reiter. Im Jänner gewann er in Zürich auf einem Pferd namens Picolien Zeldenrust das Swiss Masters. Aboyeur ist bei Gott kein schlechtes Pferd. Der Wallach ersprang in den vergangenen Jahren für den und unter dem Deutschen Heinrich-Hermann Engemann rund eine Million Euro, ehe ihn Milliardenerbin Athina Onassis für deutlich mehr Euro kaufte - für ihren Ehemann Alvaro Alfonso de Miranda Neto. Der 35-jährige Brasilianer und der 14-jährige Westfale ergeben aber kein gutes Paar, wie Thomas Frühmann erst unlängst bei einem Turnier beobachten konnte. "Es scheint, dass die einfach nicht zusammenpassen."

Beim Mercedes-Grand-Prix in der Wiener Stadthalle, der heute, Montag (20 Uhr, ORF Sport Plus) ausgesprungen wird, sind Miranda Neto und Aboyeur nicht dabei. Gewinnen kann ihn ohnehin nur ein eingespieltes Duo. Ein solches waren einst Frühmann und der Hengst Grandeur, die den GP dreimal in Serie (1989 bis 1991) für sich entschieden. Oder Hugo Simon und E.T., mit 3,2 Millionen Euro weltweit das gewinnträchtigste Spring-Ross aller bisherigen Zeiten, die 1998 und 2000 triumphierten.

Simon, mittlerweile 66, ist überhaupt der Rekordsieger in der Stadthalle, er hat sich den GP auch auf Apricot (1997) und im Vorjahr auf Ukinda gesichert. Der bisher letzte Sieg war insofern untypisch, als Ukinda bis dahin noch keine große Nummer war. Simon bekam die Stute erst Anfang 2007, da war sie "groß, schwer und korpulent".

Siegreiche Fregatte

Simon nannte sie eine Fregatte und ging daran, mit Pflegerin Margit Herzau aus Ukinda ein Siegerpferd zu machen. Mittlerweile ist die etwa eine halbe Tonne wiegende Ukinda nicht wesentlich erschlankt, aber wesentlich muskulöser. Ohne Simon wäre sie aber kaum ein Siegerpferd.

Frühmann, der Simons Rekord von vier GP-Siegen am Montag einstellen könnte, und The Sixth Sense sind seit 2004 quasi ein Paar - ein ideales. "Dass er gute Anlagen hat, war mir von Anfang an klar, aber dass er so einschlägt, hat keiner wissen können." Wobei Frühmann stets betont, dass die Erfolge immer zum größten Teil auf das Konto des mittlerweile zwölfjährigen Westfalen gehen. "Wenn es bei uns nicht klappt, dann bin ich schuld", sagt der 57-Jährige.

Freilich mag Frühmann damit sein Licht unter den Scheffel stellen. Der Schimmel Genius, mit dem er 1992 das Weltcup-Finale in Del Mar und olympisches Mannschaftssilber in Barcelona gewann, war nur bis zu seinem Verkauf nach Mexiko genial. Kann sein, das lag vor allem am neuen Besitzer. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 10. November 2008)

 

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    Herr Hugo Simon (66) und die Stute Ukinda (11) sind die Titelverteidiger beim Mercedes-Grand-Prix in der Wiener Stadthalle. Die Favoriten sind sie deshalb aber nicht.

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