Belastung

9. November 2008, 19:05
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Friedrich Stickler lag das Wohl des österreichischen Fußballs so sehr am Herzen, dass er von seiner Rolle als ÖFB-Präsident Abschied nahm

Friedrich Stickler lag das Wohl des österreichischen Fußballs so sehr am Herzen, dass er am Freitag überraschend von seiner Rolle als ÖFB-Präsident Abschied nahm. Er verlässt den Verband in einer tiefen Krise.

Das ÖFB-Nationalteam ist krank, Teamkicker üben offen Kritik am Management, das Nachwuchskonzept ist Thema interner Machtkämpfe, die Wahl sportlicher ÖFB-Mitarbeiter funktioniert nach dem Freunderlprinzip. Einige der besten Köpfe im ÖFB (Heinz Palme, Georg Pangl, Reinhard Nachbagauer, Wolfgang Gramann) schieden einst aus dem ÖFB nicht, weil Generalsekretär Alfred Ludwig sie über die Maßen förderte. Ausgerechnet Ludwig soll ÖFB-Präsident werden? Stickler argumentierte, er könne weder die Arbeit bei den Lotterien noch die ÖFB-Funktion halbherzig betreiben. Stimmt schon. Aber das war nie das Problem. Die Lotterien machen einen Gutteil ihres Umsatzes mit Fußballwetten, ein beliebter ÖFB-Präsident wäre im Kampf gegen die quicken, privaten Sportwettbüros Goldes wert.

Leo Wallner führte jahrzehntelang die Casinos Austria und das Österreichische Olympische Comité parallel. Zeitnot? Aber geh! Stickler scheiterte nicht an Überlastung, vielmehr belastete seine Performance den ÖFB und die Lotterien. Sie haben die Notbremse gezogen. Der ÖFB hingegen braucht genau das, was Ludwig und Konsorten (aus Eigeninteresse) ablehnen: einen unabhängigen, visionären, öffentlich anerkannten Fachmann aus Wirtschaft oder Politik, der dem Verband den überfälligen Modernisierungsschub verordnet. (Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 10. November 2008)

 

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