Obamas Wirtschaftspläne lassen Händler derzeit kalt

9. November 2008, 19:04
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Das Ergebnis der US-Präsidentenwahl zeigt bisher weniger Auswirkungen als erwartet

Die USA haben gewählt. Die Auswirkungen davon auf die Märkte fallen Experten zufolge unter dem Strich weniger gravierend aus als erwartet. Die Hauptrolle spielen noch immer Gewinne und Bewertungen.

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Washington/Wien - Die Euphorie an den Börsen über die Wahl Barack Obamas zum 44. US-Präsident währte vergangene Woche nur kurz. Schon am Tag danach überwog an den Märkten wieder die Angst vor einer tiefen Rezession.

Dass Obama den Kampf gegen die Finanzkrise und die Ankurbelung der US-Konjunktur in den Vordergrund seiner am 20. Jänner beginnenden Präsidentschaft stellt, wird zwar in Finanzkreisen kopfnickend aufgenommen. Doch vielen fehlt der Glaube, dass Obamas Initiativen kurzfristig positive Veränderungen an den Börsen mit sich bringen werden. Gewinne, Bewertungen und Fundamentaldaten werden nach Auffassung von Experten weiterhin wesentlich größeren Einfluss auf die Märkte haben als von Obama initiierte Gesetzesänderungen.

"Ungeachtet aller Voraussagen und Finanzanalysen, die zu Wahlen einfach dazu gehören, glauben wir, dass die Auswirkungen der Präsidentschaftswahl auf die Märkte unterm Strich weniger gravierend sein werden, als die meisten Beobachter derzeit glauben", sagt dazu Bob Doll, Vize Chairman und Chief Investment Officer der US-Fondsgesellschaft BlackRock.

Nicht alles ist möglich

Wie alle gewählten Volksvertreter werde auch ein Präsident Obama nach dem Amtsantritt sein Augenmerk nur auf einen Teil der Initiativen richten können, die im Wahlkampf debattiert wurden. Eine anhaltend schwache Wirtschaft dürfte es der neuen Regierung unter dem Demokraten nicht leichter machen, einen Teil der versprochenen umwälzenden Veränderungen herbeizuführen, argumentiert Doll. Um jedes neue von Obama angedachte Programm in die Tat umzusetzen, fehle es zudem schlicht und einfach am Geld.

Sehr kritisch werden von vielen Anlegern die Pläne beäugt, wie der neue US-Präsident das Thema Steuern angehen will. Angesichts einer in der Rezession befindlichen Wirtschaft halten es viele Experten für eine ausgemachte Sache, dass die Regierung mehr Schulden machen und die Steuern erhöhen muss, um den Staat am Laufen zu halten.

Unter einer von Obama geführten Regierung werden nach Auffassung von Beobachtern die Steuern auf Dividendenerträge und Kapitalgewinne wohl für viele, wenn nicht gar für alle Anleger steigen. So sollen etwa die Gewinnbeteiligungen von Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften stärker besteuert werden.

Trend Kommunalanleihen

Mit den höheren Steuern werden nach Meinung von Doll zwar Nachteile für bestimmte Anlageformen einhergehen. Einige wenige Marktsegmente könnten hiervon gleichwohl profitieren, unter anderem Kommunalanleihen. Mit steigenden Steuern würden die steuerbefreiten Kommunalanleihen nämlich für einen größeren Anlegerkreis interessant. Das wiederum dürfte ihnen im Vergleich zu anderen Marktsegmenten zu einer guten Rendite verhelfen.

Was die Handelspolitik Obamas anbelangt, zielt diese im Gegensatz zur Bush-Regierung eher auf protektionistische Maßnahmen für die US-Industrie ab. Mit Blick auf die Aktienmärkte könnte nach Auffassung von Doll Obamas Handelspolitik in erster Linie den traditionell verarbeitenden Betrieben in den USA zugutekommen. Dass Obama "ökologische" Akzente setzen will, dürfte für alternative Energiefirmen künftig von Vorteil sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2008)

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    Nach der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten beschäftigten sich viele amerikanische Anleger mit der Frage, wie der Demokrat das Thema Steuern und Kapitalgewinne angehen wird.

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