Andritz unter Beschuss

9. November 2008, 18:39
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ECA Watch kritisiert Projekt in Tasmanien

Wien - Noch bevor das Projekt auf Schiene ist, schlägt es schon hohe Wellen. "Wenn das kommt, ist das ein für die Umwelt katastrophales Projekt, viel ärger noch als das Flusskraftwerk Ilisu in der Türkei", sagt Ulrich Eichelmann von ECA-Watch. "Und in beiden Fällen wäre die Andritz im Spiel."

"Wir sind eben einer der größten Anbieter von Anlagen zur Zellstoffproduktion", kontert Andritz-Pressesprecher Michael Buchbinder. "Es ist nur logisch, dass wir bei einem solchen Projekt genannt werden. Aber entschieden ist noch nichts."

Laut ECA-Watch, einer Umweltorganisation, die sich auf die Beobachtung von staatlichen Exporthaftungsorganisationen wie der Österreichischen Kontrollbank (OeKB) spezialisiert hat, plant der australische Mühlen- und Papierkonzern Gunns Ltd. auf Tasmanien eine Zellstofffabrik zu errichten, für die laut ECA-Recherchen 200.000 Hektar Land mit teilweise Urwäldern gerodet werden müssten. Gefährdet wären laut Eichelmann 400 Jahre alte Eukalyptusbäume und einzigartige Tiere wie der tasmanische Beutelteufel.

Bei Andritz will man das nicht so sehen. Laut Buchbinder werden schon jetzt Bäume aus Tasmanien für die Zellstoffproduktion verwendet - allerdings mangels einer eigenen Fabrik für den Export nach China oder Japan. "Sie können sicher sein, dass die australischen Behörden Umweltauflagen sehr genau beachten", sagt Buchbinder.

Eichelmann argwöhnt, dass die Umweltzerstörung weiter gediehen sei als zugegeben. Bisher war er immer davon ausgegangen, dass die OeKB 35 Mio. Euro Haftung übernehmen will. Nun allerdings geht er davon aus, dass Andritz die Hälfte des Projekts von 550 Mio. Euro schultern will. (ruz/DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2008)

 

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