Italiens Konsum liegt brach

9. November 2008, 18:43
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Land steht vor zweijähriger Rezessionsphase - Neben österreichischen Holzlieferungen auch Einrichtungs- und Möbelsektor betroffen - Eine Analyse

Österreichs zweitwichtigster Handelspartner, Italien, steht vor einer zweijährigen Rezessionsphase. Nachdem sich das Bruttoinlandsprodukt bereits im zweiten und geschätzt auch im dritten Quartal 2008 rückläufig entwickelte, ist Italien - technisch gesehen - bereits in die Rezession getreten. Mit dem von den Konjunkturforschern zwischen 0,2 und 0,4 Prozent prognostizierten Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP) im Jahr 2008 und von 0,4 Prozent im Jahr 2009 bleibt Italien weiterhin der Nachzügler innerhalb der EU.

Für die Apenninenhalbinsel hat zu Jahresmitte die längste Rezessionsphase der Nachkriegsgeschichte begonnen. Ausschlaggebend für das Debakel ist die Konsumkrise. Sowohl der private wie auch der öffentliche Konsum bilden sich zurück (-0,6 Prozent). Dies wirkt sich besonders stark auf die Automobilbranche aus, wo heuer ein Rückgang der Pkw-Neuzulassungen von 13,5 Prozent erwartet wird. Im Autodistrikt rund um Turin herrscht Krise. Zahlreiche Werke von Autozulieferern wurden in den letzten Wochen geschlossen. Insgesamt hat sich die Anzahl der auf Kurzarbeit gesetzten Arbeitnehmer hier im September um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöht. Laut dem ehemaligen Wirtschaftsminister Giuliano Amato sind derzeit eine Million Arbeitsplätze gefährdet.

Bauwirtschaft

Auch die Investitionen treten derzeit auf der Stelle (-0,4 Prozent). Im Baubereich wird erstmals nach einer dreizehnjährigen Hochkonjunktur mit einem Rückgang der Neubauwohnungen gerechnet. Mit einer Belebung der Bauwirtschaft wird erst 2011 gerechnet. Die rückläufigen Bauinvestitionen werfen nicht nur Schatten auf den Einrichtungs- und Möbelsektor sondern auch auf die österreichischen Holzlieferungen.

Die internationale Immobilien- und Finanzkrise hat die Rezession in Italien nicht verursacht sondern die seit Jahresbeginn eingesetzte Konjunkturschwäche verstärkt. Die Subprime- und Finanzkrise hat auf Italiens Wirtschaft weniger Auswirkungen als auf jene Länder, die in den letzten Jahren ihre Industrieproduktion ab- und den Finanzdienstleistungssektor ausgebaut haben. Denn in Italien hat die verarbeitende Industrie mit 25 Prozent Anteil am BIP weiterhin einen hohen Stellenwert inne. Der verschärfte internationale Wettbewerb hat dazu geführt, dass zahlreiche Industriebranchen, etwa die Modeindustrie, weitgehend umstrukturiert und erneuert wurden. Dies kommt dem Lande nun zugute und ist eine Chance, dass Italien trotz der Strukturschwäche die Rezession überwindet. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand/DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2008)

 

 

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