Constantia: Bank Austria abgesichert

9. November 2008, 18:37
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Immofinanz und Investor Rudolf Fries haben beim Verpackungskonzern Constantia Packaging AG schlechte Karten

Die Immofinanz und der Investor Rudolf Fries haben beim Verpackungskonzern Constantia Packaging AG schlechte Karten. Die Bank Austria hat die Hand auf einem Gutteil der Aktien.

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Wien - Kein Tag ohne Wende in der Causa Immofinanz und Constantia Privatbank (CPB). Wie berichtet hat die Constantia Packaging B.V. (Niederlande) ihren Anteil an die Constantia Packaging AG von 81,7 auf 90,63 Prozent aufgestockt. Die Aktien wurden nicht über die Börse gekauft, sondern stammen aus dem Besitz der Constantia Privatbank (CPB). Das ist jene Bank, die seit wenigen Wochen im Eigentum der fünf heimischen Großbanken steht.

Die fünf Banken sollen bei der blitzartigen Übernahme der CPB von diesem Aktiendeal bereits gewusst haben. Die erste Aufsichtsratssitzung unter der neuen Führung (Chef: Andreas Grünbichler, Aufsichtsratspräsident: Walter Knirsch) findet am kommenden Dienstag statt. Bei der Sitzung geht es vor allem darum, Aktiva zu verkaufen wie die Kapitalanlagegesellschaft, die Hausverwaltung, die Maklergesellschaft oder das Kreditportfolio.

Die Bank Austria, die der B.V. Kredite gewährt hat, hat höchstes Interesse daran, dass die niederländische B.V. mehr als 90 Prozent an der Constantia Packaging AG hält. Denn ab 90 Prozent ist ein Squeeze Out (Börsenrückzug) möglich. Und: Die Bank Austria hat sich im Zuge der CPB-Übernahme noch vor der Immofinanz und vor dem Investor Rudolf Fries, die sich beide Haftungen der B.V. einräumen haben lassen, einen Gutteil der Aktien der Constantia Packaging AG als Sicherheit einverleibt.

Erstmals hat sich Immofinanz-Vorstand Christian Thornton (einer der Zeichnungsberechtigten der Immofinanz Beteiligungs AG-Konten, Ibag) per Aussendung seines Anwalts Richard Soyer zu Wort gemeldet, um die ihn betreffenden "Belastungen entschieden zurückzuweisen". Er habe Immofinanz-Chef Thomas Kleibl, der mangelnde Informationen beklagte, sehr wohl über die Geldflüsse unterrichtet und darüber, dass er eine "Klarstellung an die Staatsanwaltschaft" vorbereite. Zudem habe er dem Aufsichtsrat mehrfach seinen Rücktritt angeboten, der sei aber nicht angenommen worden. Derzeit bespreche man die Modalitäten seines Rücktritts.

Wie der Standard erfahren hat, sollen einzelne Ibag-Aufsichtsratsmitglieder sehr wohl über eine Anleihe (oder Geldflüsse) informiert gewesen sein. Zunächst dürfte eine Barvorlage in der Höhe von 900 Mio. Euro geplant gewesen sein, erst danach, im Herbst 2007, hat dann offenbar Ibag-Aufsichtsrat Christian Nowotny eine Anleihe konzipiert (er war nicht zu erreichen; Anm.). Den damaligen Immofinanz- und Immmoeast-Aufsichtsräten müssten die Geldflüsse eigentlich bekannt sein: Am 31. Juli 2008 haben Karl Petrikovics und Thornton den Gremien einen ausführlichen schriftlichen Bericht zukommen lassen.

Bei der Staatsanwalt Wien laufen unter der Aktenzahl 611St25/08x Ermittlungen gegen "Karl Petrikovics und Unbekannt". Es geht um den Verdacht der Untreue und der Bilanzfälschung. Ex-Bank- und Ex-Immofinanz- und Immoeast- Chef Karl Petrikovics bestreitet die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung. (Claudia Ruff/Renate Graber/DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2008)

 

 

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