Im Opernuniversum der Stars und Sternchen

28. Februar 2003, 17:35
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Es waren nur wenige Gestirne, um die ständig die blitzenden Trabanten kreisten. Das wechselhafte politische Planetensystem um Kanzler Wolfgang Schüssel etwa - oder der Fixstern namens Pamela Anderson. Eine Suche nach den raren Sternstunden auf dem Opernball.

Wien - Es war eine kleine, fast intime Geste, nur von wenigen bemerkt: Ein Busserl von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für Susanne Riess-Passer bei ihrem letzten repräsentativen Auftritt als Vizekanzlerin. "Das war jetzt so ein Baba und fall net", bemerkte ein daneben stehender Fotograf. "Gestaltspsychologisch gesehen hat sich jetzt die Gestalt von 2000 geschlossen", wurde weiter fest gestellt. Damals war der Kanzler Arm in Arm mit seiner frisch gebackenen Vize in den Morgenstunden gen Tanzparkett geschritten und hatte lauernden Fotografen zugeraunt: "Kommt's mit, jetzt kriegt's euer Foto." Drei Jahre später - ein Busserl.

Dennoch war es nur ein weit kleineres Gestirn, um das sich die blitzenden Trabanten da drehten. Wirklich eng wurde es nur, wenn sich die Umlaufbahnen dieser kleineren und größeren Sensationsplaneten im Logengang kreuzten. Wenn etwa der Regierungstross auf dem Weg zum Bundespräsidenten an jener Loge vorbeikam, hinter deren Tür sich die Lugners im stets gleißenden Scheinwerferlicht um Pamela Anderson sonnten.

Wenn es einen Fixstern gab, an dem sich der Rest der Opernballwelt orientierte, dann sie. "Entschuldigung - was gibt es hier zu sehen", erkundigte sich etwa ein Befrackter bei der knipsbereiten Meute. "Na, Pamela Anderson." - "Wirklich? Hier drinnen?" - "Ja." - "Gut, dann ist meine Loge zwei daneben, vielen Dank."

Ein Watschentanz?

Die Ausbeute war allerdings eher mager - abgesehen vom Gerüchte Tuscheln. "Hast g'hört vom Kid Rock? Der Watschentanz vor der Oper?" - "Der Leibwächter sagt, dass da Kid drinnen jetzt schon aus der Flasche sauft."

Ansonsten nur ein kurzes Erscheinen: Ein Gedränge und Geschubse, ein grelles Flackern wie ein ganzer Leonidenschauer - und gleich wieder retour. Später wurde von diesem Ereignis berichtet: "Pamela war Pipi machen." Nur Richard Lugner hatte mehr vernommen, weil so einen Klogang kann man schließlich noch ausbauen: "Die Managerin hat berichtet, dass sie auf dem WC von einem Pamela-Double und der ehemaligen Porno-Darstellerin Dolly Buster mit Klopapier beschossen wurde."

Ansonsten wurden diese Anderen ohnehin meist ignoriert. "Wer ist den die da hinten eigentlich", hieß es einmal am Gang. "Das is' ein Pamela-Double." - "Geh hör auf, die schaut doch nicht einmal der Dolly Buster ähnlich."

Andere schauen ohnehin nur noch sich selbst ähnlich und drehen sich in ihren kleineren Galaxien bis ins hohe Star-Alter. "Entschuldigung, der Herr Antel möcht’ gern Grüß Gott sagen", wurde da etwa Uschi Glas angetragen. "Ja Fraaaaanz, seeeervus!" Handkuss - "ganz die alte Schule."

Sailer oder Schranz?

Wer hätte je gedacht, dass es tatsächlich einmal heißen würde: "Welcher von den beiden ist eigentlich der Toni Sailer und wer der Karl Schranz?" Ein Ball, bei dem selbst die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright auf dem Weg zu Thomas Klestil nur durch den voran schreitenden Bodyguard auffiel.

Eine Andere hatte es gleich bleiben lassen: Melanie-Antoinette de Massy de Monaco, eine Großnichte von Fürst Rainier war wegen eher minderer Tanzkenntnisse bei der Eröffnung in eine hintere Reihe verbannt worden. Worauf jene darob erbost das Handtuch - oder besser gesagt das Krönchen - schmiss.

So gab es nur noch einen größeren Auftritt zu späterer Stunde, gegen halb Drei: Als Staatsoperndirektor Ioan Holender unten in der Kantine anstatt im Frack bereits in der legeren Schnürlsamtenen erschien. Da brandete Applaus auf. Und für einen kurzen Moment genoss sich der Hausherr im Zenit veröffentlichter Privatheit. (Roman Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 1./2.3.2003)

  • Riess-Passer, Schüssel: Bussi
    foto: standard/cremer

    Riess-Passer, Schüssel: Bussi

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