Saisonier-Schleusen gehen auf

28. Februar 2003, 16:59
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Regierungs-Garantie wackelt: Touristiker wollen 10.000 Billigarbeiter

Wien - Vor einem Jahr hatte die Regierung "Schüssel I" noch geschworen, dass in Österreich pro Jahr nur maximal 8000 ausländische Billigarbeiter jobben dürfen. Jetzt könnten die, en masse abgegebenen, Garantieerklärungen bald nur mehr Makulatur sein.

Wie der Standard in Erfahrung bringen konnte, will die Tourismusbranche jetzt nämlich eine weitere Ausdehnung der - nach vielen Aufstockungen eigentlich fix limitierten - Quote auf 10.000 Saisoniers. Die Begründung: Nachdem nicht nur der Fremdenverkehr und die Landwirtschaft, sondern nun auch sämtliche Industriesparten Saisoniers anfordern dürfen, würden diese den Touristikern abgehen. Kritiker halten freilich dagegen, dass derzeit schon 9020 ausländische Hilfskräfte im Gastgewerbe werken und noch kein einziger Antrag eines Industriebetriebes auf Saisoniers vorliege.

Auf Anfrage bestätigt jedenfalls Spartenobmann Johann Schenner einen geplanten Vorstoß und glaubt, dass sich Wirtschaftsminister Martin Bartenstein diesem gegenüber auch "vernünftig verhalten werde." Sollte das Wunschdenken der Touristiker Realität werden, müsste Bartenstein freilich nicht nur das Ehrenwort von hohen VP- und FP-Vertretern sondern auch sein eigens brechen.

Quoten-Tricks ?

Die Regierung musste Anfang 2002 nämlich schon die damals heftig umstrittene Saisonierquote von 8000 vielstimmig verteidigen. Kritiker hatten moniert, dass das seit Jahren ständig aufgestockte Kontingent den Druck auf den Arbeitsmarkt erhöht bzw. mit rund 980 € Bruttolohn das Lohnniveau unterfährt und Qualifizierungsbemühungen untergräbt. Nicht verwunderlich, dass die angepeilte weitere Quoten-Aufweichung bei Gegnern wie Rudolf Kaske, dem Chef der Tourismusgewerkschaft, helle Empörung auslöst: "Unsere Branche hält jetzt schon mit 28.854 Arbeitslosen einen neuen Negativrekord, und das in der Hochsaison." Strömen noch mehr Saisoniers ins Land, würde dies die Chancen der heimischen und der bereits im Lande befindlichen ausländischen Jobsuchenden weiter dezimieren.

Darüber hinaus traut Kaske den derzeit hinter den Kulissen verhandelten Aufstockungsvarianten auch im Detail nicht. Er vermutet, "dass mit Zahlen getrickst werden könnte." Er misstraut vor allem dem neu auftauchenden Begriff des "gewichteten Durchschnitts". Wie durchsickert, könnten damit "Saisonierplätze nicht eins zu eins bewertet, sondern mit einem Faktor X nach unten gewichtet werden." Dadurch würde "eine Jahresdurchschnittszahl von tatsächlich 10.000 Saisoniers nur noch die derzeit gesetzlich erlaubten 8000 ergeben." (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Printausgabe 1.3.2003)

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