Telekom-Regulator: Mobilfunkmarkt gesättigt

28. Februar 2003, 15:08
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Georg Serentschy sieht in Datendiensten den Wachstumstreiber der Zukunft - Fragezeichen über UMTS-Lizenz von Telefonica

Wien - Der österreichische Mobilfunkmarkt ist relativ klein, sehr wettbewerbsintensiv und bereits teilweise gesättigt, diagnostiziert Telekom-Regulator Georg Serentschy. Die Penetration sei mit "deutlich über 80 Prozent" sehr hoch, die Preise seien nach Portugal die niedrigsten in der EU. Die Wachstumsraten in der mobilen Sprachtelefonie würden nun nach Jahren des Booms geringer. Großes Marktpotenzial sieht Serentschy künftig bei den Datendiensten.

"Wir befinden uns an der Schwelle von einer rein sprachzentrierten zu einer datenzentrierten Welt", sagte Serentschy am Freitag vor Journalisten im Klub der Wirtschaftspublizisten. Der Datenanteil sei in Österreich heute noch sehr gering und betrage 1 bis 3 Prozent exklusive SMS und rund 10 Prozent inklusive SMS. Durchsetzen würden sich nur Dienste, die "das Leben einfacher machen und Spaß bereiten". Die mobile Datenanwendung WAP (Wireless Application Protocol) etwa habe diese Voraussetzungen nicht erfüllt und sei daher bisher erfolglos geblieben.

UMTS-Chancen

Noch unklar sei allerdings, welche Dienste die vor der Einführung stehende dritte Mobilfunktechnologie UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) zum Fliegen bringen werden: 90 Prozent der heute bekannten Dienste könnten auch über den UMTS-Vorläufer GPRS realisiert werden, so Serentschy. Eine "Killerapplikation" sieht Serentschy daher nicht, sondern vielmehr "killer customers" - zielgruppenspezifische Kunden, die bestimmte Applikationen regelmäßig und sehr intensiv nutzen. Dazu zählen jugendliche Spiele-Freaks genauso wie Kleinunternehmer mit einem "Bouquet" von fünf Business-Anwendungen und mehr.

Ab dem zweiten Quartal 2003 seien die ersten kommerziellen UMTS-Netze in Österreich zu erwarten, so der Telekom-Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH. Ein großes Fragezeichen steht allerdings noch über der spanischen Telefonica, die zwar eine UMTS-Lizenz in Österreich ersteigert hat, sich aber aus den europäischen UMTS-Märkten zurückziehen will. "Offensichtlich baut Telefonica kein Netz, aber es ist noch immer denkbar, dass über Networksharing die Mindestvorgaben erfüllt werden", so Serentschy. Alle UMTS-Lizenzinhaber müssen spätestens bis Ende 2003 35 Prozent der Bevölkerung mit UMTS abdecken.

Telefonica droht Pönale

Sollte Telefonica die UMTS-Mindestauflagen nicht erfüllen, werde zunächst eine Pönale fällig. Sollte der spanische Konzern, der gestern für 2002 Rekordverluste von 5,6 Mrd. Euro gemeldet hatte, definitiv kein UMTS-Netz aufbauen, fällt die Lizenz an die Republik Österreich zurück. Eine Kompensation sei weder in Deutschland noch in Österreich vorgesehen, betont Serentschy. Telefonica sei aber bisher nicht mit Forderungen oder Vorschlägen an die RTR herangetreten.

Einen gesicherten Nutzen von UMTS kann Serentschy aber schon jetzt erkennen: Vor allem die großen Mobilfunkbetreiber wie Mobilkom Austria und T-Mobile könnten die zusätzlichen UMTS-Netzkapazitäten zur Entlastung und Effizienzsteigerung des GSM-Netzes nützen.

Eine große Herausforderung für die erhoffte Verbreitung der Datendienste sei die Integration der drahtlosen Internetzugängen WLANs (Wireless LAN) in die Mobilfunknetze, meint Serentschy. Bisher gebe es nur reine Kooperationsmodelle, aber keine einheitliche Tarifverrechnungs- und Zugangstechnologien.

Neues Gesetz muss bis März ins Parlament

Als große Herausforderungen sieht Telekom-Regulator Georg Serentschy die Umsetzung der neuen EU-Richtlinien für die künftige Telekom-Regulierung, die im neuen Telekom-Gesetz (TKG) enthalten sind. Das neue TKG soll laut EU-Vorgabe bis spätestens 25. Juli 2003 beschlossen werden. "Dafür muss der Entwurf, der bereits fertig gestellt ist, spätestens im März ins Parlament eingebracht werden", sagte Serentschy.

Mit dem neuen TKG bekomme der Regulator "einen Werkzeugkasten mit sehr feinen, aber auch mit schweren Werkzeugen", so der Telekom-Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH (RTR). Nun gelte es, die richtigen Instrumente für die Marktbalance zu finden. Bei der künftigen Regulierung gelte nicht der Anspruch, "alles nieder zu regulieren", sondern nur dort zu regulieren, "wo es Defizite beim Wettbewerb gibt". Gemäß den neuen EU-Richtlinien muss der Regulator nicht wie bisher nur vier, sondern 18 Telekom-Teilmärkte auf nachhaltigen Wettbewerb untersuchen.

Der Telekombranche sei zuletzt - u.a. durch das Platzen des Internetblase und durch überhöhte UMTS-Lizenzgebühren - erheblicher Schaden zugefügt worden, meint Serentschy. Nun sollten die europäischen Regierungen auf die "Gesundung der Branche" Bedacht nehmen. Ein Abgehen von den UMTS-Lizenzbedingungen, wie von einigen Mobilfunkbetreibern vor allem in Deutschland gefordert, hält Serentschy aber nicht für sinnvoll. In europäischem Gleichklang könnten aber andere Instrumente gefunden werden.

Handlungsbedarf sieht Serentschy in Österreich bei den Emissions-Grenzwerten für Mobilfunkmasten: "Es muss einen österreichweit einheitlichen Grenzwert geben, der international abgestimmt ist". Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Emissionsobergrenze von 10.000 Milliwatt pro Quadratmeter vorsieht, gelten in Salzburg derzeit eine Obergrenze von einem Milliwatt und in Wien von zehn Milliwatt. "Mit einem Milliwatt pro Quadratmeter kann man kein Netz betreiben. Es wäre aber bedauerlich, wenn in Salzburg kein UMTS-Netz gebaut wird".

Stillstand herrscht derzeit bei der Klärung der Details für die anstehende Einführung der Rufnummernportabilität, die eine Mitnahme der Handynummer bei Betreibewechsel ermöglicht. Die Mobilfunkbetreiber hätten sich bisher noch nicht auf die Preisgestaltung und auf die Art der Tarifinformation für den Kunden geeinigt, so Serentschy. Der Telekom-Regulator warnt allerdings vor allzugroßen Hoffnungen einiger Betreiber, durch die Nummernportabilität viele Wechselkunden an Land ziehen zu können. Erfahrungen in mehreren europäischen Ländern, wo es die Rufnummernportabilität bereits schon länger gibt, hätten gezeigt, dass sich der Kundenwechsel nur im einstelligen Prozentbereich vollzogen habe. (APA)

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