München bleibt für Frankfurt aktuell

28. Februar 2003, 14:54
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Buchmesse-Direktor Neumann nimmt im März wieder Verhandlungen mit den Bayern auf

Frankfurt/Main - Nach ergebnislos verlaufenen Gesprächen mit Frankfurter Hoteliers und der Messegesellschaft will der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Volker Neumann, im März Verhandlungen mit München beginnen. "Das Bemühen der Verhandlungspartner in Frankfurt, die Buchmesse in Frankfurt zu halten, scheint nicht sehr ausgeprägt", sagte Buchmessen-Sprecher Holger Ehling am Freitag. Bis morgen, Samstag, sollte ursprünglich ein Konzept für die künftigen Konditionen vorliegen.

"Mit Erstaunen und Interesse" habe man zur Kenntnis genommen, dass sich die Hoteliers und die Messegesellschaft entgegen ursprünglichen Beteuerungen in den Gesprächsrunden nicht kompromissbereit gezeigt hätten, sagte Ehling. Neumann hatte wegen hoher Hotelzimmerpreise zu Messezeiten und hoher Standkosten für die Aussteller mit einem Umzug der weltgrößten Buchmesse nach München gedroht. Daraufhin hatten sich im Jänner erstmals alle Beteiligten an einen Tisch gesetzt und Verhandlungen bis zum 1. März vereinbart. Anfangs hatten Hotel- und Messebetreiber Entgegenkommen signalisiert.

Man bleibt im Gespräch

Der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth hatte die Buchmesse versprochen, bis zum 1. März keine Verhandlungen mit anderen Standorten zu führen. Nachdem diese Frist ohne befriedigende Ergebnisse mit Hoteliers und Messe verstrichen sei, werde Neumann von März an "gezielt mit anderen Standorten sprechen", kündigte Ehling an. Gleichzeitig bleibe die Buchmesse aber im Gespräch mit den Frankfurter Partnern.

Der Bundesvorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller, Fred Breinersdorfer, plädierte am Freitag für einen Umzug der Frankfurter Buchmesse nach München. "München ist eine großartige Bücherstadt. Was die Verlage angeht, geht hier sicher mehr der Bär ab als in Frankfurt", sagte der in München lebende Breinersdorfer. Die von Umzugsgegnern viel zitierte Tradition der Buchmesse sei kein Hindernis: "Tradition ist nicht alles. Traditionen sind dazu da, dass man gelegentlich mal drüber nachdenkt, ob sie notwendig sind. Wenn die Buchmesse sich einen Ruck gibt und einen Neubeginn unter völlig neuen Randbedingungen macht, kann das richtig gut werden."

Geschmalzene Preise

Nach Meinung Breinersdorfers ist die Frankfurter Buchmesse auf einem falschen Weg. Sie betreibe eine "unzulässige Elitisierung" und einen "Götzendienst der Verlagskonzentration", kritisierte er. Zudem schrecke sie mit ihrer jüngst angekündigten Preiserhöhung für Fachbesucher potenzielle Kunden ab. "Das ist völlig kontraproduktiv", meinte der Autor. Buchmessensprecher Ehling entgegnete, insbesondere ausländische Verlage, die immerhin zwei Drittel aller Aussteller stellten, kämen wegen der Geschäfte und nicht wegen des Publikums nach Frankfurt. Sie beklagten sich über den Andrang von Nicht- Fachleuten an den Fachbesuchertagen. Die Preiserhöhung von 15 auf 30 Euro für Tageskarten und von 34,75 auf 60 Euro für Dauerkarten diene der Abschreckung.

München hatte der Frankfurter Buchmesse nach Angaben Neumanns in ersten Gesprächen attraktivere Konditionen bei den Hotels und auch auf dem Messegelände geboten als die Mainmetropole. In der Öffentlichkeit waren Neumanns Umzugspläne jedoch auf großen Widerstand gestoßen. Es hieß, Neumann trete die jahrzehntelange Tradition in der Buchmessen-Stadt Frankfurt mit Füßen. (APA/dpa)

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