Umberto Agnelli übernimmt das Zepter

28. Februar 2003, 14:43
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"Der ewige Zweite" soll den angeknockten Konzern sanieren

Turin - Umberto Agnelli (68), der jüngere Bruder des im Jänner verstorbenen Fiat-Patriarchen Giovanni Agnelli, gilt in Italien als "der ewige Zweite". Viele Jahre stand er im Schatten seines schillernden, übermächtigen Bruders, der die Geschicke des Turiner Traditionsunternehmens lenkte. Immer wieder musste er mitansehen, wie andere - etwa die Manager Cesare Romiti und Paolo Fresco - an ihm vorbeizogen und die Führung der Gruppe übernahmen. Jetzt wurde Agnelli ausgerechnet auf Wunsch von Fiat-Präsident Paolo Fresco als dessen Nachfolger nominiert, und übernimmt damit die schwere Aufgabe, das hoch verschuldete Unternehmen zu sanieren.

Umberto hat seit über 40 Jahren unermüdlich in verschiedenen Zweigen des Konzerns überaus erfolgreich gearbeitet - bis zur Spitze schaffte es der stille, schüchterne Jurist jedoch nie. Manch einer meinte, es fehle ihm das Charisma seines älteren Bruders. Deshalb nahmen nur wenige Notiz von seinen großen unternehmerischen Qualitäten.

Agnelli wurde 1934 in Lausanne geboren und schloss an der Universität Turin sein Studium der Rechtswissenschaften ab. Als Spross der steinreichen Agnelli-Dynastie hätte er anschließend - wie schon sein Bruder - ein ausschweifendes Jet-Set-Leben führen können. Doch er zog es vor, lieber sofort im Familienkonzern zu arbeiten.

Von 1960 an leitete er die Fiat-Versicherungssparte S.A.I. und das Tochterunternehmen Piaggio; zuletzt lenkte er die Finanzholdings Ifi und Ifil vor. Agnelli hat stets darauf gedrängt, die Gruppe nicht auf die Autosparte zu beschränken, sondern andere Unternehmensteile, wie etwa Medien oder Energie, in den Mittelpunkt zu rücken. Jetzt muss ausgerechnet er die Sanierung und Neuorganisation von Fiat Auto in die Hand nehmen. (APA/dpa)

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    Umberto Agnelli

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