Gedämpfte Wissensvermittlung bei Forschernacht

9. November 2008, 19:14
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Tausende Besucher besuchten bei der "Langen Nacht der Forschung" Vorträge und Werbeveranstaltungen

Wien/Graz/Innsbruck - "Jetzt gehen wir zum Stephansdom. Da spricht ein Forscher, der neulich bei der Stöckl war, über das ewige Leben." Den beiden Herren, Mitte 50, war Samstagabend die Ehrfurcht schon auf der Fahrt zum großen Ereignis anzumerken. Als "Forscher" bezeichneten sie den Schriftsteller und Genetiker Markus Hengstschläger, kürzlich in Claudia Stöckls Ö3-Sendung "Frühstück bei mir" zu Gast. Er nützte die Gelegenheit der "Langen Nacht der Forschung", um mit zwei Vorträgen für sein Buch "Endlich unendlich" in einem würdevollen katholischen Rahmen Werbung zu machen. Kein Platz in Wien wäre wohl besser für dieses Thema geeignet gewesen.

Mehrere tausend Besucher absolvierten 240.000 Besuche an 375 Stationen in den sechs Städten Wien, Graz, Innsbruck, Salzburg, Wiener Neustadt und Klagenfurt. Die Veranstalter geizten am Sonntag nicht mit Erfolgsmeldungen über den Jahrmarkt der Forschung, die man mit freiem Auge schon während der "Langen Nacht" erahnen konnte.

Tod und Krankheit waren überhaupt Magneten. Auch in Innsbruck, wo an der Gerichtsmedizin erläutert wurde, wie man im Mai des Jahres entdeckt hat, dass in der Weimarer Schiller-Gruft nicht der Schädel des Dichters lag. Durch eine sogenannte "mitochondriale DNA-Analyse". Mehrere Verwandte von Schiller wurden dafür exhumiert, ihre Knochen zerstampft und das daraus gewonnene Genmaterial mit dem Gruftschädel verglichen.

In Graz war einer der spannendsten Orte die Helmut-List-Halle, wo der "Tesla Roadster" präsentiert wurde. Der sieht aus wie ein Sportwagen und fährt auch so: 220 PS und 240 km/h Spitze. Jedoch: Man kann ihn ohne schlechtes Klima-Gewissen fahren, denn das Auto wird zu 100 Prozent von Elektrizität angetrieben, sein Akku reicht immerhin für 360 Kilometer. Der Preis: dezente 99.000 Euro.

Die Forschungsnacht war da attraktiver: "Wenn es etwas kostenlos gibt", sagte ein grinsender Zuschauer in Wien, "dann sind die Österreicher auf den Beinen. Und wenn nur der Eintritt kostenlos ist". Wie auch an der Universität. Große Menschentrauben standen bei den einzelnen, relativ dicht nebeneinander gereihten Informationsständen zu Themen wie "Wie entsteht Krebs?". Das Gedränge dämpfte die Wissensvermittlung: Die Trauben vermengten sich und dazwischen versickerte die Hoffnung, vom Vortrag der Forscher irgendetwas mitzubekommen. (Peter Illetschko/Verena Langegger/Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 11. 2008)

 

 

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    Was leisten Moore für unser Klima: Eines der Themen, denen in anschaulicher Weise an der Uni Wien nachgegangen wurde.

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