Unglück auf russischem Atom-U-Boot: 20 Menschen erstickt

9. November 2008, 18:58
170 Postings

Feuerlöschsystem wurde ungenehmigt aktiviert Chemikalien traten aus - 208 Menschen waren an Bord - Marine: Keine Radioaktivität ausgetreten

Weil Gas aus dem Feuerlöschsystem des Atom-U-Bootes "Nerpa" ausgetreten ist, starben bei einer Testfahrt mindestens 20 Menschen. Einen Austritt von Radioaktivität soll es nicht gegeben haben.

Moskau – Bei einem Unfall an Bord des Atom-U-Boots "Nerpa" ("Seerobbe") der russischen Marine im Japanischen Meer sind nach offiziellen Angaben mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Die drei Offiziere und 17 Zivilisten erstickten, als Gas aus einem Brandlöschsystem austrat. Der Atomreaktor des U-Boots arbeite normal, die Strahlungswerte seien nicht erhöht, sagte Marine-Sprecher Igor Digalo am Sonntag.

Feuerlöschsystem sprang an

Der Unfall ereignete sich, als am Samstag aus bisher unbekannter Ursache ein Feuerlöschsystem an Bord des U-Boots angesprungen war. Der ermittelnde Staatsanwalt Wladimir Markin erklärte, derzeit deute alles darauf hin, dass Freon-Gas zum Tod der Menschen führte. Als Mittel in Feuerlöschsystemen soll es den Flammen den Sauerstoff entziehen.

U-Boot auf Kurs zu Militärhafen

Nach Angaben Digalos waren zum Zeitpunkt des Unglücks 208 Menschen, darunter viele Techniker, auf dem Schiff. 81 Passagiere waren Matrosen. Neben den Toten gab es auch 22 Verletzte. Sie wurden zunächst auf einen Begleit-Zerstörer gebracht. Dieser transportierte die Verletzten in ein Krankenhaus in der Hafenstadt Wladiwostok. Das U-Boot, das laut offiziellen Angaben nicht beschädigt wurde, nahm Kurs auf einen Militärhafen in der Nähe.


Testfahrt für indische Marine

Das Feuerlöschsystem sei ungenehmigt aktiviert worden, erklärte Digalo. Betroffen waren die beiden Sektionen in der Nähe des Schiffsbugs. Die exakte Position des Bootes zum Unglückszeitpunkt wollte der Marinesprecher nicht nennen. Das U-Boot befand sich auf einer Testfahrt, es sollte ab 2009 für zehn Jahre an die indische Marine vermietet werden. Laut der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti wurde das Schiff in der Amur-Werft gebaut, der erste Tauchgang habe in der vergangenen Woche stattgefunden.


Ministerpräsident Dmitri Medwedew ordnete eine gründliche Untersuchung an. Es war das schwerste Unglück der russischen Marine seit dem Untergang der "Kursk" in der Barentssee im Jahr 2000. Damals kamen nach vergeblichen Rettungsversuchen alle 118 Seeleute an Bord ums Leben.

Manöver in der Karibik geplant

Die russische Marine demonstriert derzeit Stärke, in diesem Monat soll ein gemeinsames Manöver mit Venezuela in der Karibik abgehalten werden. (red, dpa, Reuters/ DER STANDARD Printausgabe 10.11.2008)

  • Das russische Fernsehen zeigte am Sonntag die Rückkehr der  "Nerpa" in den Hafen Bolschoi Kamen
    foto: epa/ntv

    Das russische Fernsehen zeigte am Sonntag die Rückkehr der "Nerpa" in den Hafen Bolschoi Kamen

  • Infografik des russischen TV-Programms NTV

    Infografik des russischen TV-Programms NTV

Share if you care.