Noch mehr Wind um die Windy City

7. November 2008, 19:22
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Mit Barack Obamas Wahl zum US-Präsidenten steigen Chicagos Chancen, 2016 Olympische Sommerspiele ausrichten zu dürfen. Glauben die Organisatoren der Bewerbung. Die Konkurrenz fürchtet den Obama-Faktor

Chicago/Tokio/Wien - Geht für ihn alles gut, dann hat Barack Obama am 20. Jänner 2017 seinen letzten halben Arbeitstag als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Geht für Chicago alles gut, dann wäre das ein halbes Jahr nach den Olympischen Sommerspielen in der Windy City.

Die Chancen, dass 20 Jahre nach Atlanta wieder eine US-Großstadt zu sommerlichen olympischen Ehren kommt, dürften durch Obamas Wahl gestiegen sein. Schließlich nennt der neue Präsident die Metropole am Lake Michigan seine Heimatstadt. Und er hat schon anlässlich der Vorausscheidung der US-Bewerber Mitte April, in der sich Chicago gegen Los Angeles durchsetzte, keinen Hehl aus seiner olympischen Vision gemacht. "Ich kann mir nichts Größeres vorstellen als zum Ausklang meiner zweiten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten der Welt zuzurufen: Lasst die Spiele beginnen!"

Tokio, Madrid, Rio

Chicago muss sich gegen Tokio, Madrid und Rio de Janeiro durchsetzen. Das Internationale Olympische Komitee vergibt die Spiele im Oktober 2009 in Kopenhagen. Ein Auftritt Obamas in der dänischen Hauptstadt könnte den Ausschlag geben. "Wir haben", sagt Chicagos Bewerbungschef Patrick Ryan, "allen Grund zur Hoffnung, dass Obama, wenn nicht andere Ereignisse seine Anwesenheit erfordern, uns in Kopenhagen unterstützen kann." Einer Obama-Rede wie jener anlässlich seines Wahlsieges in Chicago, so kalkuliert Ryan, könne sich keiner verschließen. Zudem seien erfolgreiche Bewerbungen für sportliche Großereignisse zuletzt immer auch mit persönlichem Einsatz von Staats- und Regierungschefs verbunden gewesen.

Schröder, Blair, Putin

Ryan erinnert an Bundeskanzler Gerhard Schröder (Fußball-WM 2006 in Deutschland), Tony Blair (Sommerspiele 2012 in London) und Wladimir Putin (Winterspiele 2014 in Sotschi). Die vielen negativen Beispiele - Alfred Gusenbauer etwa warb für Olympia 2014 in Salzburg - erwähnt er nicht.

Dass der erste schwarze US-Präsident dem Ruf seiner Heimatstadt folgt und in Kopenhagen auftritt, fürchtet auch die Konkurrenz. "Obama ist ein hervorragender Redner und sehr populär. Das könnte zu einem Problem werden", sagt Tomiaki Fukuda, Vorstandsmitglied des japanischen Olympischen Komitees.

Der Obama-Faktor könne Tokios mühsam erarbeitete Vorteile zunichte machen. Die japanische Metropole hat bei einer Bewertung aller Kandidaten durch eine IOC-Arbeitsgruppe vor rund fünf Monaten die besten Noten vor Madrid und Chicago erhalten. Baku, Doha und Prag waren bei dieser Gelegenheit aussortiert worden. Fukuda: "Ich frage mich jetzt schon, wie die IOC-Mitglieder reagieren, wenn Obama auftritt."

Obamas Popularität wäre für Ryan aber auch ohne dessen Auftritt in Kopenhagen ein Trumpf. "Als Obamas Heimat ist Chicago jetzt bedeutsamer als bisher. Die Menschen auf der ganzen Welt werden mehr über unsere Stadt erfahren." Die Eckdaten der Bewerbung liegen längst auf dem Tisch. In der Finanzplanung ging Chicago von einem Überschuss in Höhe von 525 Millionen Dollar aus - freilich vor der Finanzkrise. (DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, 8. November 2008, sid, lü)

 

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