Krise treibt Sparkassen zur Erste Bank

7. November 2008, 19:22
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Beben zwischen Weinviertel und Voitsberg

Wien - Die Finanzkrise hat in Österreich auch die Weinviertler Sparkasse unter Druck gebracht, mit dem Alleingang wird es nun vorbei sein. Sie soll von der Erste Bank geschluckt werden. In den nächsten sieben Wochen, also bis Jahresende 2008, soll alles über die Bühne gehen.

Die Weinviertler Sparkasse (Bilanzsumme 570 Mio. Euro und 22.000 Kunden in der Region im Inland) hat derzeit zwei Aktionäre: Die Privatstiftung Weinviertler Sparkasse (rund 93 Prozent) und die Sparkasse Eggenburg Privatstiftung (rund sieben Prozent). Die zwei Stiftungen entschlossen sich nun, ihre Anteile "bis zu 100 Prozent" an die Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen zu übertragen, wie es am Freitag hieß. Mindestens sollen 51 Prozent abgegeben werden. In der Finanzbranche wird derzeit davon ausgegangen, dass die Erste Bank die kleine Sparkasse schluckt.

Partnerschaft

Hans Jürgen Bröder, Vorstandschef der Weinviertler Sparkasse, sprach am Freitag von einer "strategischen Überlegung" , mit einem eigenkapitalstarken und großen Bankkonzern eine Partnerschaft einzugehen. Gerade in der jetzigen Finanzmarktkrise, die alle noch Jahre spüren würden, sei es in einer solchen Partnerschaft leichter. Dass der Schritt aus einer wirtschaftlichen Schwierigkeit heraus geschehe, stellte er in Abrede. Es gebe keinen Wertberichtigungsfall und auch keinen Eigenkapitalbedarf. Zur Ertragslage machte er keine Angaben. Das sei zu früh in Zeiten wie diesen.

Erste-Österreich-Chefin Elisabeth Bleyleben-Koren erklärte in einer Stellungnahme: "Wir wollen in einem nächsten Schritt gemeinsam mit Vertretern der Weinviertler Sparkasse die bestmögliche Lösung und Struktur für unsere Partnerschaft finden."

Island-Ausfälle

In ziemlichen Problemen steckt auch die Voitsberger Sparkasse (Bilanzsumme. 500 Mio. Euro), die dem Vernehmen nach unter Island- und Kreditausfällen leidet. Sie wird nun von der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG (sie ist mit zwei Prozent beteiligt) geprüft. "In vier bis fünf Wochen werden wir wissen, welche Vorschläge für die Zukunft wir den Voitsberger machen werden" , so der Chef der Steiermärkischen, Gerhard Fabisch.

Als wahrscheinlich gilt eine Fusion - wobei zuvor Privateigentümer abgeschichtet werden müssten: Die in Turbulenzen geratene Sparkasse Voitsberg-Köflach ist (abgesehen von der Erste Bank) eine der wenigen Sparkassen Österreichs, an der auch Kunden und Institutionen (zu 30,8 Prozent) beteiligt sind. (APA, gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.11.2008)

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