"Fußball auf ein anderes Niveau heben"

7. November 2008, 19:19
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Sandra Reichel ist neue Vizepräsidentin des LASK. Im Fußballgeschäft spie­len Frauen eher unter­geordnete Rollen. Das wird vermutlich auch so bleiben. Aber Reichel ist immerhin ein Anfang - ein STANDARD-Interview

Standard: Ihr Vater Peter-Michael Reichel ist Geschäftsführer und Präsident. Er hat nun Sie zur Vizepräsidentin bestellt. Ist der LASK ein Familienbetrieb geworden?

Reichel: Nein, was soll die Frage? Ich bin zwar seine Tochter, aber in erste Linie bin ich ein Mensch, der viel bewegen kann. Das habe im Tennis als Direktorin des Linzer Turniers bewiesen. Warum sollte es im Fußball nicht auch klappen? Abgesehen davon habe ich im Hintergrund schon lange für den LASK gearbeitet, das Kind hat jetzt nur einen Namen bekommen. Der Vorteil an dieser Konstellation ist, dass wir uns hundertprozentig vertrauen. Da sind Intrigen oder Mobbing völlig ausgeschlossen, es bleibt ausschließlich Zeit für die Arbeit.

Standard: Dass Frauen im Fußball hohe Funktionen ausüben, ist absolut unüblich. Könnten Sie eine Lawine oder zumindest ein Lawinchen losgetreten haben?

Reichel: Eher kaum. In den Gremien sitzen nahezu ausschließlich Männer. Das wird sich in nächster Zeit auch nicht groß ändern. Erfreulich ist, dass immer mehr Frauen in die Stadien kommen, diesen Trend muss man fördern. Das entscheidende Kriterium sollte auch im Fußballgeschäft sein: fähig oder unfähig. Wirklich merkwürdig und bedenklich ist, wie mir die Leute seit zwei Tagen gegenübertreten. Irgendwie devot. Hast du in Österreich einen Titel, bist du auf einmal wer. Das ist ziemlich krank. Man sollte nach Leistungen beurteilt werden. Aber wenigstens bin ich eine echte Vizepräsidentin. Meistens ist die Frau Hofrat nur die Frau des Herrn Hofrat.

Standard: Frau Vizepräsidentin ...

Reichel: Bitte nicht.

Standard: Okay, Frau Reichel. In Ihren Aufgabenbereich fallen nicht Trainerentlassungen oder Spielerverpflichtungen.

Reichel: Stimmt, in sportliche Belange mische ich mich nicht ein, da kenne ich mich zu wenig aus. Ich kümmere mich ums Marketing, um Projekte, um die Kunden, ums Merchandising, um die Außendarstellung des Vereins. Davon habe ich eine Ahnung, es gehört alles professioneller gemacht. Rapid ist da durchaus ein kleines Vorbild, dort wurde in den vergangenen Jahren einiges bewegt.

Standard: Wofür steht der LASK? Wie kann man ihn positionieren?

Reichel: Er steht in ganz Oberösterreich für Mythos, Tradition, Emotion. Der LASK ist ein schlafender Riese, der immer wieder geweckt werden muss. Er durchlebt Hochs und Tiefs, die Fans leiden mit. Ich will den Fußball auf ein anderes Niveau heben.

Standard: Auf Tennisniveau?

Reichel: Man soll die beiden Sportarten nicht vergleichen. Tennis ist die einzige Sparte, in der Frauen absolut gleichberechtigt sind. Einige verdienen nicht zuletzt aufgrund von Werbeverträgen sogar mehr als ihre männlichen Kollegen. Aber der Fußball spielt in der Gesellschaft eine weit größere Rollen, er erreicht alle Schichten, bewegt die Nation. Wir haben acht Millionen Teamchefs in Österreichs und nur einen Daviscup-Kapitän. Der Fußball hat sich von Erfolgen gelöst, ein 1:1 auf den Färöern bietet Gesprächsstoff für Wochen. Über den Fußball kann man mehr Inhalte transportieren, ein Thema wie die Notwendigkeit des Schulsports anschneiden.

Standard: Kann in Österreich ein Fußballklub der Bundesliga gewinnbringend geführt werden?

Reichel: Ja, warum nicht. Aber ohne Unterstützung durch die öffentliche Hand geht es nicht. In Linz wird das Stadion renoviert, die Verbesserung der Infrastruktur könnte der LASK niemals finanzieren. Übrigens ist auch ein Tennisturnier von Subventionen abhängig. Alleine schaffst du es nicht.

Standard: Schauen Sie lieber Fußball oder Tennis?

Reichel: Eine gemeine Frage. Aber Fußball regt sicher mehr auf.

Standard: Waren Sie immer schon Anhängerin des LASK?

Reichel: Nein. Ich stamme aus Wels, mich haben als Kind Rapid und Manchester United fasziniert. Ich hatte und habe einen Hang zu Vereinen mit Mythos. Aber jetzt bin ich natürlich zu 100 Prozent LASK-Fan. Daran ist auch mein Vater schuld. Und eine eigene Identität hatte der LASK immer schon. (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, 8. November 2008)

 

 

ZUR PERSON:

Sandra Reichel (37) studierte Betriebswirtschaftslehre. Sie arbeitet in der Firma MatchMaker (gehört dem Vater), ist Direktorin der Tennisturniere in Linz und Gastein. Seit Donnerstag ist sie ehrenamtliche Vizepräsidentin des LASK. Statt Klaus Lindenberger, der Trainer wurde.

 

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    Reichel: "In sportliche Belange mische ich mich nicht ein, da kenne ich mich zu wenig aus."

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