"Weiß nicht einmal, ob ich als Beschuldigte befragt wurde"

8. November 2008, 11:57
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Studentin in Tierschützer-Causa einvernommen

Wien - Ist ihre Wohnung jetzt verwanzt? Wurden ihre Telefonate abgehört? Katharina F. stellt sich seit ein paar Wochen öfter diese Fragen. Genau genommen seit 13. Oktober, als die Polizei sie anrief und bat, zur Einvernahme zu erscheinen, wie F. nun dem Standard erzählt. Zwei Stunden lang sei sie in der Tierschützer-Causa befragt und nach unzähligen, ihr unbekannten Namen gefragt worden.

Schlussendlich sei sie mit den Beamten auch in ihre Wohnung gefahren. Dort habe die Polizei ihren Computer für einen Tag beschlagnahmt, Unterlagen durchsucht und sich durch ihre persönlichen Gegenstände gewühlt.

Die junge Frau sucht nach wie vor eine Erklärung dafür, warum sie im Zusammenhang mit den der Mitgliedschaft einer kriminellen Organisation verdächtigten Tierschützern, die monatelang in U-Haft waren, Teil der Ermittlungen ist. "Ich weiß nicht einmal, ob ich als Zeugin oder als Beschuldigte befragt wurde", sagt sie.

Die 21-Jährige glaubt aber zu wissen, dass der Auslöser für ihre Vernehmung bereits vier Jahre zurückliegt. "Mit 16 oder 17 Jahren habe ich einmal dem Verein gegen Tierfabriken in einer E-Mail geschrieben, dass ich an Tierbefreiungen interessiert bin", sagt F. "Daran teilgenommen habe ich aber nie. Ich war nur bei vier bis fünf Demos gegen Pelztierzucht. Das war alles", erzählt F. Sie bezeichnet sich als "inaktives Mitglied" des Vereins gegen Tierfabriken (VgT). Im Innenministerium will man zu dem Fall keinen Kommentar abgeben - die Ermittlungen leitet die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. Dort heißt es zum aktuellen Stand in Sachen Ermittlungen gegen Tierschützer: "Es wird gearbeitet." Die letzten Hausdurchsuchungen, zwei an der Zahl, habe es Ende September gegeben. Eine davon in Wiener Neustadt. Eine Sonderkommission soll dort die Türe aufgebrochen haben, als die Bewohner nicht zu Hause waren. Ein Computer und mehrere CDs sollen beschlagnahmt worden sein. Die Tierschützer wurden später telefonisch zu Einvernahmen geladen.

Wann die Ermittlungen abgeschlossen sind, ist laut Erich Habitzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, noch nicht absehbar.

Anhaltung war "einwandfrei"

Sieben der zehn ursprünglich inhaftierten Tierrechtsaktivisten hatten Beschwerde gegen ihre Ende Mai erfolgte Inhaftierung eingelegt. Die Grundrechtsbeschwerde wurde, wie berichtet, abgelehnt, die Entscheidung der Haftrichter für die U-Haft als "einwandfrei" bezeichnet.

Der VgT fordert nun die Abschaffung oder, so Obmann Martin Balluch, "zumindest radikale Änderung" des Paragrafen 278 zur Bekämpfung von kriminellen Organisationen. (Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe, 8./9.11.2008)

 

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