ÖBB-Kartenverwirrung

7. November 2008, 19:03
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Wann es wo Tickets gibt, ist manchmal unklar

Graz/Wien - Vielleicht sind es Schwarzfahrer. Vielleicht aber auch nur Opfer der Öffentlichkeitsarbeit. Manche der zehn Prozent ohne Ticket erwischten Fahrgäste der ÖBB rund um die steirische Bezirksstadt Hartberg fühlen sich jedenfalls gefrotzelt. Denn wann es wo Fahrkarten gibt, ist nicht immer leicht zu durchschauen.

Tanja G. zum Beispiel hadert damit. Die 18-jährige Studentin ist am 19. Oktober erstmals mit dem Sonntagabendzug von Hartberg nach Wien gefahren. Auf dem Bahnhof gibt es keinen Schalter und keinen Fahrkartenautomaten. Also baut sie darauf, beim Schaffner gegen Aufpreis eine Karte zu bekommen.

Statt dem Schaffner kommen zwei Kontrolleure, die keine Karte, dafür einen Zahlschein haben: 96 Euro statt der regulären 10,80 Euro sind zu zahlen. Begründung: Im Zug selbst gebe es Fahrkartenautomaten, daher sei man verpflichtet, dort das Beförderungsentgelt zu begleichen.

"Weder ich noch meine Freunde haben je etwas von Automaten im Zug gehört, im Bahnhof oder im Zug gab es auch keine Durchsagen. Im Internet steht auch nichts darüber. Die Kontrolleure haben gesagt, die Hinweise seien an den Türen angebracht, nur sieht man die nicht, wenn die Tür schon offen ist", meint Tanja G.

Bei den Bundesbahnen ist man sich keiner Schuld bewusst. "Auf dem Bahnhof in Hartberg hängt ein großes Plakat, das auf die Pflicht zum Kartenkauf im Zug hinweist", meint Verena Harrasser, ÖBB-Sprecherin der Steiermark. "Auch die Hinweise an den Türen sind deutlich."

Ob es für Erstfahrgäste nicht dennoch schwierig sei, das Prinzip zu durchschauen? Die "Desiro"-Züge, in denen Automaten stehen (im Gegensatz zu den "City-Shuttles", wo der Schaffner mitfährt) seien auf der Strecke seit drei Jahren unterwegs, insistiert Harrasser. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 8./9.11.2008)

 

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