Rom lenkt bei Bankenpaket ein

7. November 2008, 19:01
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Die italienische Regierung greift ihren Banken mit 30 Milliarden Euro unter die Arme. Das ist doppelt so viel, wie angekündigt wurde

Von der Geldspritze profitieren soll auch die Bank-Austria-Mutter UniCredit Group.

Mit 30 Milliarden Euro will die italienische Regierung ihre Banken stärker unterstützen, als bislang geplant war. Der Eingriff fällt damit doppelt so hoch aus, als noch vor wenigen Wochen angekündigt wurde. Bis zuletzt hatte die Regierung verneint, dass Italiens Banken massive Staatshilfe benötigen. Dies soll jetzt mit Wandelschuldverschreibungen erfolgen. Rund zwölf Banken, darunter UniCredit, Intesa Sanpaolo und Banca Popolare di Milano, sollen nach Angaben der Tageszeitung Corriere della Sera von den Maßnahmen profitieren. Technische Details müssen noch definiert werden.

Zweck der Maßnahme ist es, die Kapitalisierung der Banken auf europäisches Niveau zu heben. Laut einem Regierungssprecher soll die Maßnahme im Rahmen eines Erlasses in "den kommenden Tagen" verabschiedet werden. Bislang hat erst die Bank- Austria-Mutter UniCredit Group eine Kapitalerhöhung von 6,6 Mrd. Euro aus eigenen Mitteln angekündigt, um damit die Kernkapitalquote auf 6,7 Prozent zu heben.

Kreditengpass

Italien ist eines der wenigen Industrieländer, die bislang noch keine konkreten Maßnahmen zur Unterstützung der Banken erlassen hat. Die Regierung hatte zwar vor wenigen Wochen wissen lassen, sich mit stimmrechtslosen Aktien am Kapital jener Banken beteiligen zu wollen, die das dringend nötige Kapital nicht am Markt finden. Auch ist die Regierung bereit, den Banken den Tausch von Verbindlichkeiten gegen Staatsanleihen anzubieten, um ihnen die Finanzierung zu erleichtern. Industrieminister Claudio Scajola nannte eine Summe von 650 Mio. Euro, welche die Regierung bereit sei, durch Obligationen in das Banksystem zu pumpen. Das hätte für die Regierung wie auch für die Banken Vorteile: Die Banken zählen diese Anleihen als Eigenkapital und können damit ihre Eigenkapitalquote festigen.

Die Regierung macht zur Auflage, dass Banken dadurch den Kreditengpass überbrücken, unter dem vor allem KMU leiden. Sie bilden Italiens wirtschaftliches Rückgrat und haben zuletzt die fehlende Fremdfinanzierung kritisiert. UniCredit gab kürzlich bekannt, den Kredithahn für fünf Mrd. Euro für KMU zu öffnen. Andere Banken wollen ihrem Beispiel folgen.

Die italienischen Banken sind bislang weniger von der Finanzkrise betroffen als etwa die deutschen oder Schweizer Institute. Der Grund ist die hier übliche konservative Anlagetätigkeit. Auch haben die Italiener wegen regulatorischer Hindernisse weniger als ihre Kollegen in London, Berlin oder Zürich in strukturierte Subprime-Produkte investiert. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.11.2008)

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    Ein Musiker bittet in Rom vor der UniCredit um etwas Kleingeld. Die Bank selbst steht vor einer staatlichen Zuwendung.

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