Problem-Holding

7. November 2008, 18:49
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Was ist nur mit der Staatsholding ÖIAG los? - Von Andreas Schnauder

Was ist nur mit der Staatsholding ÖIAG los? Nachdem ein paar Jahre lang trotz gröberer Schnitzer (wie dem gescheiterten Verkauf der Voest an Magna) recht achtbare Ergebnisse samt massivem Schuldenabbau erzielt worden waren, kracht es plötzlich im Gebälk. Neben der AUA bahnen sich nun auch bei Post und Telekom gröbere Turbulenzen an. Wobei bei allen drei Beteiligungen ÖIAG-Alleinvorstand Peter Michaelis keine gute Figur macht. Sein Hauptmanko: Er wartet so lange zu, bis der Patient nur noch mit Notoperation gerettet werden kann.

Bei der AUA ist es bereits so weit, doch selbst im Operationssaal geht alles daneben. Dass die Holding trotz heftiger Interessenbekundung der Air France-KLM nur auf die Lufthansa setzt, ist schwer verständlich. Selbst wenn Paris lediglich die Pläne der Deutschen durchkreuzen sollte: Was kann einem Verkäufer Besseres passieren, als mehrere Bieter zu haben? Seit die AUA auch noch Staatshilfen von 500 Millionen zum Überleben benötigt, wäre eine Neuausschreibung höchst an der Zeit.

Gezögert wurde auch bei der Telekom, deren Festnetz-Troubles lange bekannt sind. Weil Pläne zur Partnersuche und Auslagerung von überzähligen Beamten nicht aufgingen, werden nun Stellen gestrichen. Sollte auch noch die Schließung von hunderten Postämtern durchgehen, würde das ebenfalls mit einem Kahlschlag in der Belegschaft einhergehen. Dass ausgerechnet ÖIAG-Betriebe mit teilweiser Monopolstellung in der Wirtschaftskrise mit Personalabbau vorpreschen, ist ein Armutszeugnis. Aus der Staatsholding wurde eine Problem-Holding. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.11.2008)

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