Bürgermeister verzweifelt gesucht

7. November 2008, 18:43
13 Postings

Während Ortschefs in Niederösterreich auch unter 1000 Euro im Monat verdienen, kann es im Ländle mehr als das 13-Fache sein - Immer wieder besteht in Österreich ein Nachfolgeproblem

St. Pölten / Wien - "Man wird pausenlos beurteilt. Es gibt eigentlich keine Trennung zwischen dem Amt des Bürgermeisters und dem Privatleben", sagt Neunkirchens Bürgermeisterin Margit Gutterding (SPÖ) über ihr Amt. Einerseits müsse man Manager sein, den Partei-Wertvorstellungen gerecht werden, andererseits müsse man in vier bis fünf Jahren wieder eine Mehrheit finden.

"Diese Schere ist es", sagt Gutterding, "die einen sehr hohen Anspruch an Bürgermeister stellt. Deshalb wird es sicher immer schwieriger, Leute dafür zu finden. Und es ist wohl auch mit ein Grund, warum es mehr Frauen in dem Beruf gibt."

Gutterding ist mit ihren Erfahrungen als Ortschefin nicht allein, wie eine am Freitag veröffentlichte Studie zeigt, an der 263 niederösterreichische Bürgermeister teilnahmen. Der Beruf bedeutet den Ergebnissen zufolge eine enorme zeitliche Mehrbelastung bei mangelnder Entlohnung. Trotzdem gebe es hohe Erwartungen an die Qualifikation und es bestehe ein hohes Maß an straf- und zivilrechtlichen Verantwortlichkeit.

Derzeit bekommt ein Bürgermeister in Niederösterreich in einer Gemeinde mit maximal 500 Einwohnern ein Monatsgehalt von 929,20 Euro. Schlechter verdienen Ortschefs nirgendwo in Österreich. Der Gemeinderat kann zwar einen höheren Beitrag von bis zu 1795,20 Euro festlegen. Das funktioniert laut Gemeindebund aber im Osten Österreichs nicht. 90 Prozent der niederösterreichischen Bürgermeister üben das Amt nebenberuflich aus. Dennoch benötigen sie laut Studie rund 40 Stunden Zeit pro Woche dafür.

In der Landtagssitzung am 11. Dezember soll in Niederösterreich daher ein neues Besoldungssystem beschlossen werden.

Die Gemeindevertreterverbände der VP und der SP verlangen, dass das neue Gehaltsmodell bereits im Frühjahr 2009 in Kraft tritt.

Die Landes-FP sprach bei der Ankündigung dieser Maßnahme vor rund zwei Wochen vom "Raubritter ÖVP", der die Politikergehälter "auffette".

Ins Amt gedrängt

Helmut Mödlhammer, Präsident des Gemeindebunds Österreich, ist anderer Meinung, denn: "Es wird immer schwieriger, geeignete Persönlichkeiten für das Bürgermeisteramt zu finden." Laut einer Statistik des Österreichischen Gemeindebundes haben nur etwa 40 Prozent aller Bürgermeister in Österreich ihr Amt selbst angestrebt. Etwa 35 Prozent wurden dazu demnach eher überredet, sechs Prozent sogar dazu gedrängt.

Probleme, geeignete Ortschefs zu finden, gebe es nicht nur in Niederösterreich: In Salzburg hat es laut Mödlhammer einmal eine Gemeinde gegeben, in der die ÖVP zwar eine Zwei-Drittel-Mehrheit, aber keinen Spitzenkandidaten gehabt hat. In einem anderen Ort habe ein 75 Jahre alter Bürgermeister nicht aus dem Amt ausscheiden können, weil es keinen Nachfolger gegeben habe. Mödlhammer hält eine Anhebung des Entgelts in den Bundesländern mit niedrigen Gehältern für einen guten Schritt.

In West-Österreich sieht die Lage der Ortschefs finanziell jedenfalls besser aus. Das höchste Gehalt, nämlich 13.056,06 Euro, hat ein Bürgermeister in Vorarlberg auf dem Konto, wenn seine Gemeinde mehr als 20.000 Einwohner zählt und eine entsprechende Gästenächtigungszahl verbuchen kann. Diese bewirkt im Ländle nämlich eine automatische Anhebung des Gehalts.

Die meisten österreichischen Gemeinden haben zwischen 1001 und 1500 Einwohner. Ein NÖ-Bürgermeister in einer solchen Gemeinde bekommt 1469 Euro. Rund 2200 Euro sind es im Burgenland, 3264 Euro in Oberösterreich - für hauptberuflich tätige Ortschefs. In Vorarlberg sind es, je nach Nächtigungszahl, zwischen 1885 und 6936 Euro. (Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe, 8./9.11.2008)

 

  • Unbeliebter Arbeitsplatz Gemeindeamt? 35 Prozent aller Bürgermeister wurden laut einer Statistik des Gemeindebunds eher dazu überredet, Bürgermeister zu werden.
    foto: cremer/standard

    Unbeliebter Arbeitsplatz Gemeindeamt? 35 Prozent aller Bürgermeister wurden laut einer Statistik des Gemeindebunds eher dazu überredet, Bürgermeister zu werden.

Share if you care.