Tschechischer Botschafter in Wien kritisiert ORF-Film zu Dukovany

7. November 2008, 18:35
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Koukal: "Unglücklich, unmoralisch, unprofessionell" - ORF: Film nicht anti-tschechisch

Der tschechische Botschafter in Wien, Jan Koukal, kritisiert den Film "Der erste Tag" über einen fiktiven Atomunfall im südmährischen Atomkraftwerk Dukovany, der am Donnerstagabend im ORF ausgestrahlt worden ist. Es sei seiner Meinung nach "unglücklich und direkt unmoralisch, auf diese Weise die österreichische Öffentlichkeit zu verwirren und zu erschrecken", sagte Koukal der Nachrichtenagentur CTK. Der Zugang der österreichischen Filmemacher sei "unprofessionell" gewesen.

"Der Film wurde so gedreht, dass er die tschechisch-österreichischen Beziehungen beschädigt. Letztendlich wird er aber vor allem die Österreicher schädigen", meinte Koukal weiters. Nach Konsultationen mit dem Außenministerium in Prag werde eine offizielle Stellungnahme zu der ORF-Sendung erwogen, hieß es.

Die ORF-Führung habe laut CTK im offensichtlichen Bemühen, eventuelle Kritik im Voraus zu entschärfen, den Film auch einem nicht genannten Vertreter der Tschechischen Republik gezeigt. Die tschechische Botschaft in Wien bestritt allerdings diese Information der Nachrichtenagentur.

ORF: "In keiner Weise als anti-tschechisch"

Der ORF bestätigte in einer Stellungnahme die Einladung an Mitarbeiter der tschechischen Botschaft für eine eigene Filmvorführung vor der ORF-Ausstrahlung. Der Sender bedauerte aber, dass diese "die Gelegenheit, den Film vorab zu sehen, nicht wahrgenommen haben". Markus Wibmer von der ORF-Pressestelle betonte weiters, dass "aus Gründen der Plausibilität das fiktive Szenario von einem ebenso fiktiven Unfall im Reaktor Dukovany" ausgehe.

"Es sei darauf hingewiesen, dass dieser im Zusammenhang mit dem 30. Jahrestages des Volksabstimmung um das Kernkraftwerk Zwentendorf stehende Film in keiner Weise als anti-tschechisch zu verstehen ist, was auch in der Darstellung der professionellen Handlungsweise der tschechischen Behörden zum Ausdruck kommt. Neben Dukovany wird im Film auch das slowenische KKW Krsko in Zusammenhang mit der Meldung eines Reaktor-Unfalls erwähnt." (APA)

 

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