Ein Mann aus Holz, der kein Ast sein will

7. November 2008, 17:18
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Er ist ein ganz besonderer Mann, ein Mann aus Holz, ein Stockmann eben

Der Mann hat alle Hände voll zu tun. Ständig muss er sich dagegen wehren, verwechselt zu werden. Die Liste, was er alles nicht ist, wird immer länger; Mast, Ritterschwert, Stift, Baseballschläger oder Bumerang. Auch ein Stock will er überhaupt nicht sein. Dabei heißt er doch „Stockmann" - und ist damit genau das, was er dementiert: ein Ast. Aber ein ganz besonderer, ein Mann aus Holz, ein Stockmann eben. Einer, der Arme und Beine hat sowie ein Gesicht. Stockmann heißt das neue Bilderbuch von Axel Scheffler und Julia Donaldson. Der Mann lebt mit seiner Frau und drei Kindern in einem Baum. Eines Tages will er eigentlich nur seine Runden ziehen. Ein Fehler. Denn er wird zum Stöckchenspiel mit einem Hund missbraucht und findet sich danach ständig in misslichen Lagen wieder. Es dauert, bis er zurück zu seiner Familie findet - der Weihnachtsmann muss ihm dabei helfen. Zugegeben, Letzterer ist früh dran, ist ja erst November. Das sollte keinesfalls stören. Zu nett gezeichnet ist das Buch für Kinder ab dem vierten Lebensjahr. Warum bis Weihnachten warten? Für die gute deutsche Übersetzung des englischsprachigen Originals sorgen Wiglaf Droste und Stefan Maelck. So hetzt man als Leser (und
Betrachter) mit Stockmann von einer Verwechslung zur nächsten und ist froh, wenn er seine
Familie findet - um dann gleich wieder von vorn beginnen zu müssen und von neuem zu lernen, dass der Stockmann kein Stock ist. (Peter Mayr/DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2008)

Axel Scheffler und Julia Donaldson,
"Stockmann"
13,30 Euro, 32 Seiten
Beltz & Gelberg Verlag, Basel 2008

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