Christliche Ethik als Unternehmerprinzip

7. November 2008, 16:59
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"Das ist unser geistiges Fundament" - Familienunternehmen Baumax klärt seine Mitarbeiter aktiv über ihre Rechte auf

"Wir wollen mit unserer Kultur das Herz jedes einzelnen Mitarbeiters berühren", sagt Martin Essl. Kein alltäglicher Ausspruch aus dem Mund des Vorstandsvorsitzenden eines Konzerns, der im letzten Jahr weltweit einen Umsatz von 1,25 Milliarden Euro gemacht hat und diesen 2008 auf 1,4 Milliarden steigern will.

Der Boss des Familienunternehmens Baumax findet an der Aussage nichts Ungewöhnliches: "Die christliche Ethik ist unser geistiges Fundament. Wir können unseren Kunden und Mitarbeitern ein Wertesystem garantieren, das nicht durch gesellschaftliche Veränderungen durcheinander kommt. Unser oberstes Gebot ist, den einzelnen Menschen in den Vordergrund zu stellen. Ich habe mir persönlich das Ziel gesteckt, den Beweis anzutreten, als Unternehmen unter Festhaltung an unseren Werten dauerhaft wesentlich erfolgreicher zu sein als jene, die uns kurzfristig einmal rechts und links überholt haben".

Leitlinien erarbeiten

Den dreißigsten Geburtstag von Baumax nahm das Management 2006 zum Anlass, sich mit den Mitarbeitern Gedanken über die Zukunft zu machen. "Unser Konzern ist in den letzten Jahren massiv gewachsen, wir sind neben Österreich in sieben zentral- und südosteuropäischen Ländern Marktführer in der Branche", sagt Personalleiterin Sonja Marchhart. Es sei daher auf der Hand gelegen, "dass wir gemeinsam mit Führungskräften aus allen Ländern Leitlinien finden und festschreiben, die den verschiedenen Kulturen und Rahmenbedingungen gerecht werden." Aus diesem Grund trafen sich 650 Führungskräfte jeder Ebene und jeder Nationalität zu Workshops und setzten sich mit Fragen auseinander, wie etwa die tägliche Arbeit idealerweise abzulaufen habe, wie man schwierige Führungssituationen meistern könne, wie es um die Kommunikation und den Ablauf von Entscheidungsprozessen bei Baumax bestellt ist.

Aber das allein war nicht Sinn des aufwändigen Unterfangens. Als Ergebnis des Projekts schrieben das Management und die Führungsteams gemeinsam Führungsleitlinien fest, die jeder einzelne Mitarbeiter des Baumarktriesen in einem Büchlein überreicht bekam.
Dass ein Schriftstück - sei es optisch auch noch so ansprechend - allein kein Schönwettergarant ist, dessen sind sich Essl und Marchhart bewusst: "Jetzt geht es um die tatsächliche Umsetzung. Wir sind noch am Anfang, aber Ziel ist, dass unsere Grundsätze nachhaltig gelebt werden", so die Baumax-Personalistin.

Keine Schulung ohne Richtlinien

Und das "bis in den letzten Winkel des Hauses", fügt Essl hinzu. "Unsere Leute haben das Recht, alles, was in dem Buch steht, bei ihren Vorgesetzten einzufordern. So erleben sie, dass sie etwa jederzeit ein Recht auf faire Behandlung oder auf ein ehrliches Gespräch mit ihrem Chef haben." Kein einziges Schulungsprogramm fände statt, bei dem nicht auf die Richtlinien eingegangen werde, so Marchhart.

Seit diesem Herbst bedient man sich bei Baumax eines weiteren neuen Instruments, das bei der Implementierung helfen soll: Im Zuge eines 360-Grad-Feedbacks werden die Führungskräfte vom eigenen Team und von gleichrangigen Kollegen und Vorgesetzten beurteilt - anonym.
Essl: "Niemand muss sich ein Blatt vor den Mund nehmen. Die Beurteilten erfahren, wie sie von außen gesehen werden, und das Management, wie es unter anderem um die Umsetzung unserer Führungsleitlinien bestellt ist." (Judith Hecht/DER STANDARD; Printausgabe, 8.11./9.11.2008)

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    Martin Essl, Vorstandsvorsitzender des Familienunternehmens Baumax.

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