Mein A ist grün

7. November 2008, 16:44
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Aus der Welt der Synästhesie

 Mein A ist grün. Ein ganz anderes Grün als das E und das F. Mein E ist englisch grün und das F ist französisch grün" - Mit dem Bericht von Manuela Lube, einer Frau mit der Gabe der graphemischen Synästhesie - sie nimmt Buchstaben intensiv als Farben wahr - beginnt das jüngste Hörbuch der naturwissenschaftlichen Reihe des Berliner supposé Verlags. Ist mein Blau dein Blau? kombiniert abschnittsweise Erzählungen von Hinderk M. Emrich, Chefarzt und Leiter der Abteilung für Klinische Psychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover, mit den Beschreibungen, die Synästhetiker von ihrer persönlichen Wahrnehmungswelt geben.

Verstärkt eingesetzt hatte das Interesse an den Phänomenen der Synästhesie vor rund hundert Jahren, gemeinsam mit der erhöhten Aufmerksamkeit für die subjektiven Eigenwelten jedes Menschen. Der Maler Wassily Kandinsky etwa unternahm mit befreundeten Künstlern, einem Komponisten und einem Dichter, das Experiment, ein gesehenes Bild in Musik zu übersetzen, diese in Worte, Letztere wieder in ein Bild. Gemeinsam wollten sie herausfinden, wie weit synästhetisches Empfinden übertragbar ist. Hört jeder eine Trompete als Gelb? Oder, wie Manuela Lube, das M des Mittwochs als Rot, das D des Donnerstags als Grau? In ruhigem Ton (warmes Braun) liefert Hinderk M. Emerich erste Grundlagen über den Stand der Synästhesie-Forschung. (Cornelia Niedermeier, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 08./09.09.2008)

Hinderk M. Emrich, "Ist mein Blau dein Blau? Neurophilosophische Überlegungen zur Synästhesie" . Regie: Klaus Sander, Anja Theismann. € 18-, 1 CD, 65 Min. supposé, Berlin 2008

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