Niemals vergessen: Gedenkfeiern zu den Novemberpogromen

7. November 2008, 16:35
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In vielen Wiener Bezirken finden rund um den 9. November Erinnerungs-Veranstaltungen, Ausstellungen und Lesungen statt

Im November gibt es in Wien zahlreiche Veranstaltungen im Gedenken an die Novemberpogrome 1938 - Ausstellungen, Filme, Lesungen, Buchpräsentationen und Veranstaltungen des Projekts "Steine der Erinnerung" bilden die Eckpfeiler rund um die Gedenkfeiern zur Pogromnacht am 9. November 1938.

Leopoldstadt

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Bezirksmuseums Leopoldstadt veranstalten zwei Vorträge mit anschließenden Führungen durch den zweiten Bezirk: Patricia Steines und Hermann Karplus, erklären in "Als die Tempel brannten" das Geschehen in der Reichskristallnacht und die nachfolgenden Entwicklungen bis hin zur Shoa mit Schwerpunkt "Jüdische Leopoldstadt".

Termine:

Sonntag, 9. November, und Sonntag, 16. November, jeweils ab 10 Uhr im Bezirksmuseum Leopoldstadt, Wien 2., Karmelitergasse 9

Danach Exkursion durch den 2. Bezirk, Teilnahme kostenlos

Landstraße

Das Weißgerberviertel im 3. Bezirk war einst ein wichtiges jüdisches Zentrum und Wohngebiet. 4.800 Juden und Jüdinnen lebten rund um die Löwengasse und die Radetzkystraße; es gab dort "eine besonders dichte jüdische Besiedlung, weil eine räumliche Nähe zum Stadttempel bestand und die Juden dahin zu Fuß gehen konnten" so Karl Hauer, Leiter des Bezirksmuseums Landstraße. Das Bezirksmuseum Landstraße dokumentierte insgesamt etwa 13.400 Personen, die während des NS-Faschismus aus dem 3. Bezirk vertrieben wurden.

Anlässlich des 70. Jahrestags der Reichskristallnacht lädt der Verein „Steine der Erinnerung - Wien 3" zu einer Gedenkveranstaltung unter dem Titel "Weg des Gedenkens durch das Weißgerber Viertel" ein. Vier Stellen stehen dabei im Vordergrund, an denen nun 20 cm große Gedenk-Messingplatten am Gehsteig angebracht werden. So soll den Ermordeten und Vertriebenen ein Platz in ihrem Heimatbezirk gegeben werden.

Termin:

9. Nov. 2008 um 14:30 Uhr, Obere Viaduktgasse 2, Ehrenschutz: Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg

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In den Jahren 1939 - 1942 wurden vom ehemaligen Aspangbahnhof zehntausende österreichische Juden in Vernichtungslager transportiert und kehrten nicht mehr zurück.  Am 9. November soll eine Mahnwache und Kundgebung auch daran erinnern, zu der zahlreiche Initiativen und Organisationen aufrufen:

Termin:

Sonntag, 9. November 2008, 11 Uhr
Gedenkstein vor dem ehemaligen Aspangbahnhof
Platz der Opfer der Deportationen (bei Ecke A.-Blamauerg./Aspangstr.)

Mariahilf

Der Bezirk Mariahilf veranstaltete am 6. November im Rahmen von "Erinnern für die Zukunft" eine Gedenkveranstaltung anlässlich der Pogromnacht 1938. Mehr über das Projekt: www.erinnern-fuer-die-zukunft.at

Neubau

SchülerInnen der AHS Kenyongasse zeigen im Amtshaus in der Hermanngasse 24 - 26 im Rahmen der Ausstellung "Novemberpogrom 1938: Spurensuche der jüdischen Vergangenheit im 7. Wiener Gemeindebezirk" Bilder, Schaustücke und Interviews, die ein Bild über den jüdischen Alltag vor 1938 und die folgende Auslöschung liefern. Die Ausstellung ist bis einschließlich 18. November zu den Amtsstunden zugänglich.

Weiters finden Lesungen mit Barbara Wolflingseder und Andre Blau zum Thema statt. Martina Cizek (Saxophon) und Flo Stanek (Klavier) liefern den musikalischen Beitrag. Es werden AutorInnen mehrerer Jahrzehnte - von Karl Kraus über Helmut Qualtinger bis Helmut Zenker - gelesen. Die Auswahl umfasst Texte von zur NS-Zeit verbotenen AutorInnen und Texte, die sich gegen das Vergessen und gegen Intoleranz und Diskriminierung richten.

Termine:

Montag, 10. 11. im Aspendos, Kaiserstraße 93 und

Donnerstag, 13. 11. im Jüdischen Theater, Kandlgasse 6.

Josefstadt

Vor etwa zwei Jahren wurden auf Initiative von Elisabeth David Ben Hindler Steine der Erinnerung in der Leopoldstadt gesetzt.  Am 8.11. wird eine erste Führung durch die vorerst 20 der 21 Stationen stattfinden, die um 10.00 Uhr bei der Lerchenfelderstraße 124-126 beginnen wird.

Anschließend an die Führung wird das Buch "... lebte in der Josefstadt" von Irmtraut Karlsson, Tina Walzer und Manfred Kerry in der „Frommen Helene", Josefstädter Straße 15, 1080 Wien vorgestellt. Dieses Buch versteht sich als Stadtführer zu den Stationen und gibt weitere Einblicke in die Geschehnisse zwischen 1938 und 1945. Ein weiteres Mal wird das Buch am Sonntag von elf bis zwölf Uhr im Theater in der Josefstadt vorgestellt werden.

Am 9.11. wird dann der vorläufig letzte Stein der Erinnerung im Rahmen einer Festveranstaltung, bei der das Haydn Orchester und der Schauspieler Gideon Singer mitwirken, in der Neudegger Gasse 12, 1080 Wien, gesetzt werden. Diese Veranstaltung, die um 13.15 Uhr beginnt, soll an die Pogromnacht des Jahres 1938 erinnern und gleichzeitig eine Brücke zum Projekt „Verlorene Nachbarschaft" in Buenos Aires schlagen.

Jüdisches Filmfestival

Vom 14. bis zum 27. November findet das Jüdische Filmfestival Wien im Votivkino, Kino De France und im Metrokino statt. Einer der Höhepunkte: das Tribute Otto Tausig im Votivkino, bei dem der Menschendarsteller Otto Tausig juedische Charaktere verkoerpert. Neben "Epsteins Nacht", "Auf Wiedersehen Amerika" und "Emigration N.Y" wird auch der Film "Love Comes Lately" von Jan Schuette gebracht. Ergänzt wird das Festival durch ein Filmfrühstück am 16. November. Nähere Infos: www.votivkino.at

Gedenken in Jerusalem

In der Nacht des 9. November 2008 wird im Konrad-Adenauer-Zentrum in Jerusalem symbolisch eine künstlerische Lichtdarstellung eingeschalten. Die Zeremonie des Anzündens ist für 20.00 Uhr israelischer Zeit vorgesehen. Zur selben Zeit werden Synagogen in Deutschland und Österreich sowie in anderen Ländern Europas ihre Lichter anzünden und durch Projektoren, die auf die betreffenden Gebäude gerichtet werden, weitere Lichtquellen hinzufügen. Die Synagogen werden die ganze Nacht hindurch erleuchtet sein. An einigen Orten ist zudem vorgesehen, Schulkinder als symbolische Wachtposten vor den Synagogen aufzustellen. Eine weitere Initiative, die gegenwärtig im Gespräch ist, erwägt das gleichzeitige Läuten von Glocken als Zeichen der Solidarität. Nähere Infos: www.mishkenot.org.il (red)

Links mit weiteren Projekten und Terminen:

derStandard.at/Wissenschaft:

Gedenken an die Novemberpogrome vor 70 Jahren

www.steinedererinnerung.net

www.erinnern.at/termine

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    Niemals vergessen: Zahlreiche Veranstaltungen rund um den 9. November sollen an die Reichskristallnacht und ihre Folgen erinnern.

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