der schönste Tag der Woche: Schlüsselanhänger mit Engel-Aura-Essenzen

7. November 2008, 15:46
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Es war am 8. November 1975, also vor exakt 33 Jahren, als ich mir die Langspielplatte Crisis? What Crisis? der Gruppe Supertramp kaufte

An diese LP musste ich kürzlich denken, als ich ein Interview mit dem Sprecher des Swarovski-Konzerns, Markus Langes-Swarovski, las. Darin antwortete dieser Sonnyboy, der dem Haberer seiner Cousine Fiona zum Verwechseln ähnlich sieht, auf die Frage, wie man auf die aktuelle Krise reagieren solle: "Ich sehe keine Krise. Wir gehen sportlicheren Zeiten entgegen." Und er meinte damit offenbar, dass jene Leute, die der Swarovski-Konzern demnächst entlassen werde und die selbstverständlich auf "die volle Empathie" des Konzerns zählen können, jetzt mehr Zeit zum Golfen, Porschefahren und Segeln hätten. Ja, dachte ich mir, das sind genau die Leute, die dieses Land jetzt so dringend braucht.

Herr Langes-Swarovski sprach auch noch über den "mehrstufigen Luxus, der Eliten nicht ausschließt", und dass der Swarovski-Konzern nicht nur Luster um 30.000 Euro aufwärts produziere, sondern "mit der gleichen Liebe, Sorgfalt und Demut auch Schlüsselanhänger um 30 Euro" herstelle. Mich würde nicht wundern, wenn bei der Produktion von solchen Schlüsselanhängern auch Aura-Essenzen des Erzengels Metatron zum Einsatz kämen, zumal dieser ja auch der Engel der Transformation durch Liebe ist. O-Ton Langes-Swarovski: "Weltweit geben wir zu unseren Produkten Liebe dazu." Halleluja.

Ja, solche Engel-Aura-Essenzen gibt es tatsächlich und sie kosten pro Fläschchen nur zwanzig Euro. Ein Schnäppchen sozusagen. Beim Stichwort "Schnäppchen" muss ich unweigerlich an früher denken, als meine Eltern regelmäßig von Timelkam in das 71,2 Kilometer entfernte Einkaufsparadies Freilassing in Bayern fuhren, um die zahllosen Supermärkte und Geschenkboutiquen leerzukaufen. Nicht selten wurde ich bei diesen Ausflügen als "Schlepper" eingesetzt, was bedeutete, dass ich beim illegalen Transport von Ananas in Dosen und Paletten mit Schlagobers behilflich sein musste. Nach dem Tod meiner Eltern habe ich die längst abgelaufenen Konserven im Keller unseres Hauses wiedergefunden, was aber mit den Unmengen an Schlagobers geschehen ist, weiß ich bis heute nicht. Gegessen können sie es nicht haben, weil sie das nicht überlebt hätten. Und dass sich meine Eltern als Schlagobersdealer betätigt hätten, ist mir nicht bekannt. (Kurt Palm, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 08./09.09.2008)

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