Europa: Der Ausverkauf geht weiter, krisenfeste Energieversorger

14. November 2008, 15:19
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Ein Kommentar von Stephan Lingnau aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Nach dem leichten Minus in der vergangenen Woche waren die europäischen Börsen diese Woche wieder stärker fallend. Im DJ Stoxx 600 schlossen die Banken- und Immobilienfirmen mit dem deutlichen Minus von 14%. Die Liste der Einbrüche im Bankensektor führte die Bank of Ireland (-36%) an. Bei den Immobilienfirmen lagen die Immofinanz (-64%) und die Immoeast (-70%) mit weitem Abstand am tiefsten im Minus. Leichte Gewinner waren die Telekomindustrie (+3%) angeführt von Vodafone und die Pharmaindustrie (+2%). Die europäischen Leitindizes, der DAX (-6%), der CAC 40 (-5,8%) und der FTSE 100 (-4,7%) schlossen mit ähnlichen Rückgängen.

Die Industrieproduktion in der Eurozone lag im September wie zu erwarten unter dem Vormonatsniveau. Die saisonbereinigte Ausbringung in der Eurozone sank um 1,6%. Im Vorjahresvergleich schrumpfte die Fertigungsmenge um 2,4%. Die stärksten Rückgänge gab es in Deutschland, Griechenland und Portugal. Den bereits sechsten monatlichen Rückgang in Folge verzeichneten die Pkw-Neuzulassungen in Europa mit -14,5% im Oktober. Mit Ausnahme von Österreich waren alle Märkte rückläufig. Besonders in Irland und Spanien hält der rapide Abwärtstrend mit Einbußen von 54,6% bzw. 40,0% an. Der Ölpreis fiel weiter auf USD 52,3 (-8,8%).
Die IEA warnte indes, dass bei diesem Preisniveau dringend notwendige Investitionen ausgesetzt würden und so künftig mit einer anhaltenden Volatilität zu rechnen ist. Der Baltic Dry Index bestätigte seine Seitwärtsbewegung bei 824 Punkten (-1,8%).

Mehr Licht als Schatten in der Solarindustrie

Q-Cells legte eine überzeugende Zwischenbilanz vor und hob seine Prognose für das laufende Jahr an. In den ersten drei Quartalen legte der Umsatz auf EUR 931,9 Mio. zu (+61%) und das EBIT stieg auf EUR 172,9 Mio. (+31%). Positives auch von Solarworld. Der Umsatz stieg im laufenden Jahr um auf EUR 665,4 Mio. (+42%) und das EBIT steigerte sich auf EUR 209,3 Mio. (+52%). Insbesondere der Ausbau des internationalen Handelsgeschäftes trug zum Anstieg bei. Die Auslandsquote legte auf 59% (+11%) zu. Auch Aleo Solar konnte in den ersten neun Monaten kräftig zulegen. Die Erlöse wuchsen auf EUR 256,2 Mio. (+62%). Der Auslandsanteil lag bei 53%. Da jedoch die Margen in der Solarindustrie sinken, ist mit einem Ausleseprozess vor allem unter den Modul-Herstellern zu rechnen. Die junge Branche ist stark fragmentiert, wobei einige Firmen nur in Teilen der Wertschöpfungskette aktiv sind. Es ist zu erwarten dass neben integrierten Anbietern wie Solarworld, Großkonzerne wie Siemens, General Electric und Samsung in das Geschäft einsteigen werden.

Durchgehend Positives hatten die großen europäischen Energieproduzenten zu berichten. Die Umsätze und Gewinne von Eon, RWE und EDF stiegen im laufenden Jahr zweistellig. Gute Nachrichten kamen auch von Siemens. Nach Steuern verdiente das Unternehmen im Geschäftsjahr EUR 5,9 Mrd. und damit 46 % mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg auf EUR 77,3 Mrd. (+7%). Insbesondere der Verkauf der Sparte Siemens VDO Automotive war ausschlaggebend für dieses gute Ergebnis. EADS hat im abgelaufenen Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben.

Wegen Problemen mit dem Militärtransporter A400M ist allerdings das Gewinnziel für das Gesamtjahr in Gefahr. Unter dem Strich verbuchte EADS dank des nachlassenden Drucks durch den US-Dollar einen Gewinn von EUR 679 Mio. nach einem Minus von EUR 776 Mio. im Vorjahreszeitraum. Iberia hingegen hat mit dem Konjunktureinbruch insbesondere am Heimatmarkt zu kämpfen. Der Gewinn ging im dritten Quartal auf EUR 30,4 Mio. (-80%) zurück. Die verkauften Passagierkilometer
sanken im Oktober um 9%. Die geplante Fusion mit British Airways ist jedoch weiter auf Kurs.

Die Welt schaut nach Washington

Der Ausgang des Weltfinanzgipfels am Wochenende dürfte sich entscheidend auf die Kursverläufe nächste Woche auswirken. Auch auf die Reaktionen der Regierungen zum Plan der EU zur Erhöhung der Energieeffizienz kann man gespannt sein.Durch strengere Vorschriften für die Energieeffizienz von Gebäuden und energiebetriebenen Geräten sollen gemeinsam bis 2020 um 20% weniger Energie verbraucht werden.

Die Bilanzsaison kommt mit den Zahlen von Air France- KLM, EasyJet, National Grid, Nordex und Fortis seinem Ende entgegen. Weiters werden die Zahlen zur Handelsbilanz der Eurozone und die Einzelhandelsumsätze in GB erwartet.

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