Gesten, Gespräche, Handlungen

9. November 2008, 18:00
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Bei den Salzburger Festspielen 2008 wurde das "Nature Theater of Oklahoma" mit dem Young Directors Award ausgezeichnet - Ein Podcast von CastYourArt

In Kafkas Roman "Amerika" wird Karl von seinen Eltern nach New York geschickt. Allein auf sich gestellt erfährt der sechzehnjährige Junge, dass emotionale Nähe nur um den Preis der Unterwerfung und Selbstausbeutung zu haben ist. Es zählt der eigene Vorteil, mit emotionalen Bedürfnissen wird kalkuliert. Gegen Ende der Geschichte stößt Karl auf ein Plakat des Nature Theater of Oklahoma, das jeden willkommen heißt, Arbeit und Heimat verspricht. Folgt man Max Brod, der den unvollendet gebliebenen Roman nach Kafkas Tod veröffentlichte, hatte Kafka das Theater, Synonym für Kunst, in einer Welt der Selbstverlorenheit als Ort der Aufnahme und des Zu-sich-Kommens gedacht.

Jeder ist willkommen

"Jeder ist willkommen! Wer Künstler werden will, melde sich! Wir sind das Theater, das jeden brauchen kann, jeden an seinem Ort!" Es ist die Großzügigkeit dieses Theaters angesichts einer kalkulierenden und Menschen deformierenden Welt, die den Geist der Theatergruppe Nature Theater of Oklahoma rund um Kelly Copper und Pavol Liska trägt und zur Namensgebung beitrug. Ihr Theater ist ein Ort, der Teilhaben lässt, an dem sich Szenerien vor dem Publikum entwickeln und eher gespielt wird, als ein Stück aufzuführen.

Normalität des Umgangs

Zur Schau gestellt werden Gesten, Gespräche, Handlungen aus dem wirklichen Leben, nach dem Zufallsprinzip des Würfelns oder Kartenlegens neu zusammengesetzt. Auf einladende Art hebt das Theater hervor, was Normalität unseres Umgangs geworden ist. Meist ist das humorvoll, manchmal auch erschreckend. Bei den Salzburger Festspielen 2008 wurde das Nature Theater of Oklahoma dafür mit dem Young Directors Award ausgezeichnet. (wh, derStandard.at, 09.11.2008)

Ein Beitrag in Kooperation mit CastYourArt.

  • Seit Beginn des Jahres produziert und verbreitet CastYourArt Podcasts zu Kunst und Kultur: In regelmäßigen Abständen werden KünstlerInnen und kunstnahe Institutionen in Form audiovisueller Kurzfeatures portraitiert und Hintergrundberichte aus der Kunstwelt ausgestrahlt.

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