Wenn Studierende BWL unterrichten

7. November 2008, 16:17
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Wirtschaftspädagogik hat an der WU eine Außenseiterrolle - Und obwohl Experten die Ausbildung loben, gehen die AbsolventInnen lieber in die Wirtschaft als ins Klassenzimmer

„Die Wirtschaftspädagogik wird an der WU ein bissl stiefmütterlich behandelt, weil sie keine Fachwissenschaft ist", sagt Studentin Julia am Rande des ersten Wiener Wirtschafts-Didaktik-Kongresses. Andere Studierende würden schimpfen, dass sie zu wenig Betriebswirtschaftskenntnisse haben - "was überhaupt nicht stimmt."

Mut zur Praxis

Von Rolf Dubs, Professor der Universität St. Gallen, gab es für das Studium bei der Podiumsdiskussion über die "moderne universitäre LehrerInnenausbildung" viel Lob: „Die Studierenden erhalten hier das nötige Fachwissen, denn ohne diese Kenntnisse könnten sie als Lehrer nicht richtig eingesetzt werden." Außerdem lobte er die Polyvalenz, also die mehrfache Einsetzbarkeit der Wirtschaftspädagogik-AbsolventInnen: Sie würden ihren Arbeitsplatz nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch in der Privatwirtschaft finden. "Die WU hat den Mut, zum Praxisbezug in der Wirtschaftspädagogik zu stehen", meint Dubs.

Genau das könnte aber auch zum Problem für den Arbeitsmarkt werden. „Mindestens ein Drittel, wenn nicht die Hälfte der AbsolventInnen wird nicht Lehrer, sondern geht in die Wirtschaft", weiß Institutsleiter Josef Aff. Hinzu kommt, das die Zahl der StudienanfängerInnen für den Master auf 60 beschränkt ist. Für dieses Semester haben sich laut Aff 43 Personen angemeldet: "Übrig geblieben sind 25, die anderen hatten nicht die notwendigen BWL-Kenntnisse für unsere Einführungskurse."

Sonderstatus für Wirtschaftspädagogik

Warum man nicht mehr Masterstudierende aufnehme, begründet Aff mit fehlenden Ressourcen: "Rektor Christoph Badelt wünscht sich vom Wissenschaftsministerium einen Sonderstatus für die Wirtschaftspädagogik bei den Leistungsvereinbarungen fürs Budget."

Für Sektionschef Friedrich Faulhammer ist der Handlungsbedarf klar: "Wenn wir einen künstlichen Engpass schaffen, müssten bald Studierende in der Schule unterrichten", warnt er. Der Forderung nach mehr Ressourcen stimmte er zu: "Allerdings soll es nicht mehr Geld für die WU geben, sondern durch eine Umverteilung geschaffen werden. Nicht, dass Sie da zu viel reininterpretieren."

Ein Lehrervertreter aus dem Publikum bringt das Problem des drohenden BWL-Lehrermangels auf den Punkt: "Die Leute können nicht nach mehrjähriger Praxis in der Wirtschaft als Neulehrer in der ersten Gehaltsstufe eingestellt werden." (lis/derStandard.at, 7. November 2008)

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    Börsentafel oder Schultafel: Vor dieser Entscheidung stehen WirtschaftspädagogInnen nach Studienabschluss.

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