Genetische Manipulation

28. Februar 2003, 14:46
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DNA-Pionier und Nobelpreisträger James Watson dafür

London - Der DNA-Pionier und Nobelpreisträger James Watson (74) hofft, dass durch genetische Manipulation einmal möglichst viele Menschen klug und schön werden. "Die Leute sagen, es wäre schrecklich, wenn wir alle Mädchen hübsch machen würden. Ich finde, das wäre toll", sagte der Amerikaner in einer britischen Fernsehserie, aus der am Freitag in der "Times" (London) zitiert wurde. Watson hatte vor genau 50 Jahren zusammen mit Francis Crick in Cambridge die Struktur des Erbguts entdeckt.

Auch mangelnde Intelligenz ist nach seiner Ansicht genetisch begründet und könnte durch Veränderung bestimmter Gene behoben werden. "Wenn man wirklich dumm ist, würde ich das als Krankheit bezeichnen", sagte er. "Viele Leute sagen 'das hat mit Armut und so zu tun.' Aber das ist wahrscheinlich nicht so." Wenn die Techniken zur Genveränderung erst einmal vorhanden seien, "wäre es dumm, das nicht zu nutzen", sagte Watson. Die Kinder, deren Intelligenz am Besten manipuliert werde, würden dann "die Welt dominieren".

Kritik

Wissenschafter und Ethiker reagierten sehr kritisch auf Watsons Äußerungen. Sie bezweifelten, dass sich seine Visionen je realisieren lassen, und verurteilten sie als gefährlich und unethisch. "Das ist so weit weg, dass es Science-Fiction ist, und deshalb ist es dumm, darüber jetzt zu reden", sagte der Psychologe und Buchautor Oliver James. "Es ist absolut nicht klar, dass Intelligenz in dieser Weise vorprogrammiert ist."

Der Bioethiker Tom Shakespeare von der Universität Newcastle sagte, Watson wolle vereinheitlichen, was die meisten Menschen als Teil natürlicher menschlicher Variation betrachteten. Er befürchte, dass der für seine kontroversen Äußerungen bekannte Watson trotz seiner bahnbrechenden Entdeckungen unterm Strich "mehr Schlechtes als Gutes getan" habe. Die "Times" ergänzte ihren Bericht über Watsons Äußerungen mit einem Hintergrund-Artikel über frühere Versuche zur "Menschenzüchtung" bis hin zu den Euthanasie-Verbrechen der Nationalsozialisten. (APA/dpa)

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