Abfangjäger: Ministerium weist Vorwurf der Ungereimtheiten zurück

28. Februar 2003, 13:50
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Entscheidung für Eurofighter "eindeutig und nachvollziehbar" - Pilz hatte Verdacht auf "Schiebung" geäußert

Wien - Das Verteidigungsministerium hat am Freitag Vorwürfe zurückgewiesen, dass es bei der Abfangjäger-Typenentscheidung zu Ungereimtheiten gekommen sei. Die Entscheidung für den Eurofighter "Typhoon" sei sowohl aus militärtechnischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt und sei "eindeutig und nachvollziehbar", heißt es in einer Aussendung.

Nur Unterkommission habe für Gripen geurteilt

Eine 33-köpfige Bewertungskommission habe in fünf Unterkommissionen alle Offerte geprüft und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Eurofighter aus militärischer Sicht dem Gripen überlegen sei. Obwohl die reine Gegenüberstellung der Anschaffungskosten für den Gripen gesprochen habe, hätten das Zahlungsziel von neun Jahren und die angebotenen Gegengeschäfte letztlich den Ausschlag für den Typhoon gegeben. Daher hätten sich vier der fünf Unterkommissionen für den Gripen entschieden. Einzig die Unterkommission Logistik habe für den Gripen geurteilt.

Reaktion auf Pilz-Vorwürfe

Mit der Stellungnahme reagierte das Verteidigungsministerium auf die Darstellung eines mittlerweile pensionierten Ministerialrats und Mitglieds der Bewertungskommission, Heribert Wagner, die Entscheidung für den Eurofighter sei "rational nicht nachvollziehbar" gewesen. Auch der Grün-Abgeordnete Peter Pilz hatte gestern, Donnerstag, den Verdacht auf "Schiebung" im Zusammenhang mit dem Typenentscheidung geäußert.

Betrieb des Gripen kostengünstiger

Auf Anfrage der APA präzisierte Bernhard Lauring, Sprecher des Verteidigungsministerium, die weiterhin im Raum stehende Frage der Betriebskosten des Eurofighters. Eine seriöse Einschätzung der Betriebskosten für die Dauer von 30 Jahren sei nicht möglich, da kaum Vergleichsmöglichkeiten bestünden. Dass der Betrieb des Gripen kostengünstiger wäre als jener des Eurofighters, liege freilich auf der Hand. Doch sei die Anschaffungskommission letztlich zur Erkenntnis gekommen, dass das "Preis-Leistungs-Verhältnis" beim Typhoon das bessere sei.

Lauring verwies auch darauf, dass die militärische Bewertung des Verteidigungsministeriums die eine Seite gewesen sei, die wirtschaftliche hingegen Aufgabe des Wirtschaftsministeriums. Das Argument problematischer "Kinderkrankheiten" beim Eurofighter, die die Kosten explodieren lassen könnten, wies er zurück: Die ersten Serienmodelle des Typhoon seien in Deutschland, England, Italien und Spanien im Flugbetrieb und er, Lauring, könne sich nicht vorstellen, dass etwa die britische Luftwaffe ein truppenuntaugliches Flugzeug übernähme. Die Erstflüge haben freilich erst in den vergangenen Wochen stattgefunden.

Zudem sollen die ersten Eurofighter in Österreich erst im Jahr 2005 in Betrieb gehen, so Lauring. Im Übrigen habe auch der Rechnungshof der Beschaffungskommission ein positives Urteil ausgestellt.(APA)

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