Sekundärpravention des akuten Herzinfarktes

2. März 2003, 13:30
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Lebensstil der PatientInnen sollte sich ändern - Abbau von Übergewicht, Bewegung, Nichtrauchen

Wien - 56 Prozent der Österreicher sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Elf Prozent erliegen einem Herzinfarkt. Allein 16.000 Personen werden pro Jahr Opfer des plötzlichen Herztods. Doch obwohl immer mehr Betroffene einen ersten Infarkt erleben, ändert sich danach wenig. "Aus wissenschaftlichen Studien wissen wir, dass Herzinfarktpatienten mittlerweile zwar in der Folge mehr Medikamente bekommen, die einen zweiten Infarkt verhindern sollen, doch der Lebensstil der bereits Herzkranken wird gleichzeitig eher schlechter", warnte jetzt die Wiener Sozialmedizinerin Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder.

Unter Sekundärprävention verstehen die Mediziner alle Maßnahmen, welche beim Auftreten einer Krankheit gesetzt werden können - und am besten müssten -, um weitere Probleme zu verhindern.

Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder: "Der plötzliche Herztod betrifft pro Jahr 1,5 Prozent der Menschen mit einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, fünf Prozent der Patienten, die bereits einmal einen Infarkt hatten, und 20 Prozent der Kranken mit einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Anm.)."

Lebensstil

Gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wäre es wichtig, den Lebensstil der Herzkranken besonders gesund zu machen: Abbau von Übergewicht, Bewegung, Nichtrauchen. Die Wiener Expertin: "Die große EUROASPIRE-Studie, an der Österreich leider nicht teilgenommen hat, verglich die Risikofaktoren bei Herzpatienten in den Jahren 1995/96 im Vergleich zum Jahr 2000. Da zeigte sich, dass der Prozentsatz der Diabetiker von 18 auf 20 zugenommen hatte, jener der Fettsüchtigen von 25 auf 33 Prozent. Zwar ging der Anteil der Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten etwas zurück, doch der Anteil der Raucher stieg."

Auf der anderen Seite bekommen die Herzinfarktpatienten langfristig vermehrt Medikamente verschrieben, die einen schützenden Effekt haben. So stieg in der Europa-Studie der Anteil der Patienten, welche niedrig dosierte Acetylsalicylsäure zur weiteren Verhinderung der Bildung von Blutgerinnseln bekamen, auf mittlerweile rund 80 Prozent. Der Anteil jener Herzkranken, die einen modernen Cholesterinsenker ("Statin") erhielten, erreichte 58 Prozent (ehemals 20 Prozent). Auch die Verwendung von Beta-Blockern und ACE-Hemmern - beides Medikamente zur Blutdrucksenkung, ersteres auch gegen Rhythmusstörungen - erhöhte sich.

Fischöl

Fazit für die Expertin: Am Lebensstil der Herzkranken ändert sich wenig. Empfohlen wird die tägliche Einnahme von Fischöl-Kapseln (Omega-3-Fettsäuren). In der rigoros von italienischen Kardiologen durchgeführten GISSI-P-Studie verringerte die Einnahme eines solchen Präparats die Sterblichkeit von Herzpatienten um 20 Prozent, die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit um 30 Prozent und die Häufigkeit des plötzlichen Herztodes um 45 Prozent. In Österreich ist dieses Mittel allerdings Chefarzt pflichtig. (APA)

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