Telekom-Regulator sieht großes Markpotential bei Datendiensten

3. März 2003, 17:35
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Datenanteil ohne SMS aber erst bei ein bis drei Prozent - Serentschy sieht "killer customers" für UMTS - Fragezeichen über UMTS-Lizenz von Telefonica

Der österreichische Mobilfunkmarkt ist relativ klein, sehr wettbewerbsintensiv und bereits teilweise gesättigt, diagnostiziert Telekom-Regulator Georg Serentschy. Die Penetration sei mit "deutlich über 80 Prozent" sehr hoch, die Preise seien nach Portugal die niedrigsten in der EU. Die Wachstumsraten in der mobilen Sprachtelefonie würden nun nach Jahren des Booms geringer. Großes Marktpotenzial sieht Serentschy künftig bei den Datendiensten.

Wechsel

"Wir befinden uns an der Schwelle von einer rein sprachzentrierten zu einer datenzentrierten Welt", sagte Serentschy am Freitag vor Journalisten im Klub der Wirtschaftspublizisten. Der Datenanteil sei in Österreich heute noch sehr gering und betrage ein bis drei Prozent exklusive SMS und rund zehn Prozent inklusive SMS. Durchsetzen würden sich nur Dienste, die "das Leben einfacher machen und Spaß bereiten". Die mobile Datenanwendung WAP (Wireless Application Protocol) etwa habe diese Voraussetzungen nicht erfüllt und sei daher bisher erfolglos geblieben.

Unklarheiten

Noch unklar sei allerdings, welche Dienste die vor der Einführung stehende dritte Mobilfunktechnologie UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) zum Fliegen bringen werden: 90 Prozent der heute bekannten Dienste könnten auch über den UMTS-Vorläufer GPRS realisiert werden, so Serentschy. Eine "Killerapplikation" sieht Serentschy daher nicht, sondern vielmehr "killer customers" - zielgruppenspezifische Kunden, die bestimmte Applikationen regelmäßig und sehr intensiv nutzen. Dazu zählen jugendliche Spiele-Freaks genauso wie Kleinunternehmer mit einem "Bouquet" von fünf Business-Anwendungen und mehr.

Ab dem zweiten Quartal 2003 seien die ersten kommerziellen UMTS-Netze in Österreich zu erwarten, so der Telekom-Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH. Ein großes Fragezeichen steht allerdings noch über der spanischen Telefonica, die zwar eine UMTS-Lizenz in Österreich ersteigert hat, sich aber aus den europäischen UMTS-Märkten zurückziehen will. "Offensichtlich baut Telefonica kein Netz, aber es ist noch immer denkbar, dass über Networksharing die Mindestvorgaben erfüllt werden", so Serentschy. Alle UMTS-Lizenzinhaber müssen spätestens bis Ende 2003 35 Prozent der Bevölkerung mit UMTS abdecken.

Strafe

Sollte Telefonica die UMTS-Mindestauflagen nicht erfüllen, werde zunächst eine Pönale fällig. Sollte der spanische Konzern, der gestern für 2002 Rekordverluste von 5,6 Milliarden Euro gemeldet hatte, definitiv kein UMTS-Netz aufbauen, fällt die Lizenz an die Republik Österreich zurück. Eine Kompensation sei weder in Deutschland noch in Österreich vorgesehen, betont Serentschy. Telefonica sei aber bisher nicht mit Forderungen oder Vorschlägen an die RTR herangetreten.

Einen gesicherten Nutzen von UMTS kann Serentschy aber schon jetzt erkennen: Vor allem die großen Mobilfunkbetreiber wie Mobilkom Austria und T-Mobile könnten die zusätzlichen UMTS-Netzkapazitäten zur Entlastung und Effizienzsteigerung des GSM-Netzes nützen.

Integrierend

Eine große Herausforderung für die erhoffte Verbreitung der Datendienste sei die Integration der drahtlosen Internetzugängen WLANs (Wireless LAN) in die Mobilfunknetze, meint Serentschy. Bisher gebe es nur reine Kooperationsmodelle, aber keine einheitliche Tarifverrechnungs- und Zugangstechnologien. (APA)

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