Prozess um "Finanzgenie" und Millionenbetrüger

28. Februar 2003, 13:15
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Auch Dieter Bohlen unter den Geschädigten - aus 100.000 Mark wollte das "Geldgenie" 1,3 Millionen Mark machen - mit dem Geld flüchtete er

Hamburg - Der mutmaßliche Millionenbetrüger Jürgen Harksen muss sich seit Freitag vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Er hatte in den Jahren 1990 bis 1992 laut Anklage von mehreren Investoren 35 Millionen Mark erschwindelt. Er setzte sich nach Südafrika ab, wo sich die deutschen Behörden neun Jahre lang um seine Auslieferung bemühten. Im November wurde Harksen dann nach Hamburg überstellt. Als Höchststrafe drohen ihm 15 Jahre Haft.

Betrug in 218 Fällen

Von den ursprünglichen Vorwürfen - Betrug in 218 Fällen an 62 Anlegern mit einem Schaden von über 63 Millionen Mark - ist nur ein Teil übrig geblieben: Laut Anklage steht er wegen Betrugs an drei Anlegern vor Gericht. Harksen soll die drei in 80 Betrugsfällen zur Zahlung von insgesamt über 35 Millionen Mark veranlasst und das Geld nicht zurück gegeben haben. Nur wegen dieser Fälle hatte der südafrikanische Justizminister der Auslieferung Harksens zugestimmt. Daran ist die deutsche Justiz gebunden.

1.300 Prozent Rendite

Der Anfang der neunziger Jahre als "Finanzgenie" bezeichnete Harksen hatte gut betuchten Hanseaten bis zu 1.300 Prozent Rendite für ihre Anlagen versprochen und ihnen gesagt, es handle sich um eine Beteiligung an einem von ihm durch Börsengeschäfte erzielten Gewinn. Das Geld werde zurückgezahlt, sobald der schwierige Transfer seines Gewinns aus Skandinavien erfolgt sei. Wer Harksen 100.000 Mark gab, rechnete damit, am Ende 1,3 Millionen Mark zu bekommen.

Dieter Bohlen unter den Geschädigten

Zu den Anlegern gehörte damals unter anderem auch Pop-Millionär Dieter Bohlen, dessen Fall aber wie viele andere längst verjährt ist. Die meisten sahen von ihrem Geld nichts mehr wieder, und Harksen flüchtete 1993 nach Südafrika, wo er in Kapstadt, wie zuvor schon in Hamburg, in höchsten gesellschaftlichen Kreisen verkehrte. Auch in Südafrika wurde mittlerweile gegen ihn Anklage wegen Betrugs erhoben. (APA)

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