Vizekanzler Herbert Haupt

28. Februar 2003, 18:12
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Drei Tage vor der Wahl hatte der FP-Chef noch "in aller Klarheit" erklärt, für das Amt des Vizekanzlers nicht zur Verfügung zu stehen

Wien - Herbert Haupt (55) ist jetzt doch Vizekanzler und damit Nachfolger von Susanne Riess-Passer, seiner Vorvorgängerin an der Spitze der FPÖ. Drei Tage vor der Nationalratswahl hatte Haupt noch "in aller Klarheit" erklärt, für das Amt des Vizekanzlers nicht zur Verfügung zu stehen. "Ich kenne meine Schuhgröße", meinte er damals, als es auch noch hieß, dass die FPÖ mit weniger als 15 Prozent in die Opposition gehen würde. Jetzt ist die FPÖ - die bei der Nationalratswahl nur zehn Prozent erreicht hatte - nicht nur wieder Koalitionspartner der ÖVP. Haupt ist auch Vizekanzler im Kabinett Schüssel II.

Tierarzt aus Seeboden

Der Tierarzt aus Seeboden in Kärnten gilt als langjähriger Weggefährte von Jörg Haider. Nach dem Ausfall von Mathias Reichhold als Parteiobmann und Spitzenkandidat musste Haupt einspringen und die bittere Wahlniederlage einstecken. Trotzdem wurde er im vergangenen Dezember am Parteitag im Salzburg mit überraschend klarer Mehrheit von fast 88 Prozent zum neuen FPÖ-Chef gewählt.

Von Jugend an politisch tätig

Haupt wurde am 28. September 1947 in Kärnten geboren. Schon von Jugend an war er politisch tätig. Während des Veterinärmedizin-Studiums in Wien heuerte er beim Ring Freiheitlicher Studenten an. 1978 wurde Haupt FP-Bezirksobmann in Spittal/Drau. Den Sprung in den Nationalrat schaffte er 1987, Dritter Präsident des Hauses war er von 1994 bis 1996. Seine Wiederwahl für dieses Amt scheiterte 1996 an der ÖVP, die - wie auch SPÖ und Grüne damals - meinte, Haupts Verteidigung des umstrittenen Auftritt Haiders vor SS-Veteranen mache ihn für dieses Amt ungeeignet.

Langjähriger FP-Sozialsprecher

Einen hervorragenden Ruf auf parlamentarischer Ebene genoss Haupt als langjähriger Sozialsprecher. Wenig überraschend wurde Haupt im Oktober 2000 zum Nachfolger von Elisabeth Sickl als Sozialminister bestimmt. In dieser Funktion fiel der Kärntner oft unglücklich auf, vor allem wenn es um Personalfragen ging. Noch gut in Erinnerung sind seine Kabinettschefin mit dem falschen Magistratitel, Ute Fabel, die Postenschachervorwürfe in der Pensionsversicherungsanstalt um seinen alten Freund Reinhart Gaugg, die höchst umstrittene Bestellung seiner früheren Pressesprecherin Christine Weber zur Leiterin der Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung sowie die Ablöse von Hauptverbands-Präsident Hans Sallmutter. Einige Erfolge erzielte Haupt in der Behindertenpolitik sowie beim Kindergeld. Am stärksten wirkte er jedoch, wenn es um sein eigentliches Fachgebiet, die Tiermedizin, ging - Stichwort Schweinefleisch-Skandal und BSE-Krise.

Für die Partei stand Haupt jedenfalls immer seinen Mann - trotz seiner Hepatitis C-Erkrankung, die ihm vor allem stimmlich immer wieder Probleme macht. Hundeliebhaber Haupt ist verheiratet.(APA)

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