Jerusalemer Tempelberg als Vorlage

28. Februar 2003, 12:42
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Libeskind: "Es ist einer der positivsten Orte überhaupt und ein Ort völliger Zerstörung"

Berlin - Der Architekt Daniel Libeskind sieht im Jerusalemer Tempelberg ein Vorbild für die Integration der Fundamente des zerstörten New Yorker World Trade Centers (WTC) in seinen geplanten Neubau. "Es ist einer der positivsten Orte überhaupt und ein Ort völliger Zerstörung", sagte Libeskind in einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung". Der Entwurf des in Berlin lebenden Architekten, der auch das Jüdische Museum in der deutschen Hauptstadt baute, hatte am Donnerstag den Zuschlag im Wettbewerb für die Wiederbebauung von Ground Zero in New York erhalten.

Unter Hinweis auf die exakte Höhe seines geplanten WTC-Neubaus von 1.776 Fuß (541 Meter), die an das Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung erinnert, betonte Libeskind, Unabhängigkeit sei ein wichtiges Konzept für Amerika und für alle freiheitsliebenden Menschen. "Ich wollte nicht einfach das höchste Gebäude der Welt bauen, schließlich würde es morgen in Peking oder sonst wo überrundet. Die Bedeutung dieser symbolischen Zahl aber wird bleiben", meinte der Architekt.

Libeskind hob hervor, dass der Optimismus seines Entwurfs nicht übersehen werden könne. Die Form der Gebäude sei aber sekundär, viel wichtiger sei der urbanistische Aspekt - die Höhe, die Dichte, das Licht, die Windverhältnisse und die Beziehung zur Gedenkstätte. Auf den Vorwurf eines Kritikers, es handle sich um "Kriegstreiberei", weil er den Zustand der Attacke auf New York für immer festhalten wolle, meinte Libeskind, das sei nicht ohne Ironie. "Ich habe dieses Jahr als erster Architekt den Hiroshima-Friedenspreis für Kunst erhalten", erklärte er. (APA/dpa)

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